dpa und AFP schmieden Allianz
Die Stimmung auf dem Markt der Nachrichten wird noch ein bisschen rauer.
Die Stimmung auf dem Markt der Nachrichten wird noch ein bisschen rauer.
Mit der Nachrichtenagentur dapd entsteht ein Herausforderer für den Marktführer dpa.
Es kommt, was jeder ahnte: Im September legen Deutscher Depeschendienst (ddp) und der ehemalige deutsche Dienst der Associated Press (AP, heute DAPD) ihre Meldungen und Fotos zusammen und schaffen ein neues, starkes Angebot. Dann startet die neue dapd-Nachrichtenagentur, die den Marktführer Deutsche Presse-Agentur (dpa) “verzichtbar” machen soll. dapd-Chef Cord Dreyer macht klar: “Mit diesem strategischen Neuantritt kommen wir aus der Ecke der Komplementäragenturen raus.” Die Marke ddp wird dann dahin sein.
er Markt der Nachrichtenagenturen ist umkämpfter denn je: Die dpa-Geschäftsführer Michael Segbers und Malte von Trotha erläutern im FR-Interview, wie sie die Lage sehen.
Die drei größten Nachrichtenagenturen haben kollektiv ihre Berichterstattung über die Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria abgebrochen. AFP, AP und Reuters behaupten, das schwedische Fernsehen verlange überzogene Lizenzgebühren. Ganz leer gingen die hiesigen Medien aber nicht aus: Die dpa beteiligte sich nicht an dem Boykott ihrer Konkurrenten. Und auch der DAPD, der sich im Ausland vor allem auf teuer lizenziertes AP-Material stützt, tickerte weiter.
Drei Pilotkunden, ein Dutzend Mitarbeiter, mehrere Prototypen: Unter Hochdruck entwickelt die dpa iPad-Angebote für ihre Verlagskunden. Zum deutschen Marktstart des Tablet wird noch keine Agentur-Lösung zu haben sein. Der Chef der dpa-infocom, Meinolf Ellers, kündigte im MEEDIA-Gespräch jedoch an, Anfang Juni zusammen mit einem Partner eine erste App aus der dpa-Schmiede vorzustellen. Neben der Apple-Technologie liebäugelt er auch mit der Plattform WeMagazine von den WeTab-Machern.
Die Übernahme des deutschen Dienstes der Associated Press (AP) könnte für den Deutschen Depeschendienst (ddp) noch ein gewaltiges Nachspiel haben. Wie MEEDIA erfuhr, hat das Bundeskartellamt seine Vorprüfung abgeschlossen und den ddp-Chefs mitgeteilt, die Folgen für den Markt der News-Lieferanten genau unter die Lupe zu nehmen – wie es die Deutsche Presse-Agentur erbeten hatte. Damit schaukeln sich die ohnehin schon umfassenden juristischen Attacken zwischen den Agenturen weiter hoch.
Die Agentur-Allianz ddp/DAPD ist im juristischen Streit mit der dpa nicht bloß auf Unterlassung aus, sondern will dem Marktführer auch ans Portemonnaie: Nach MEEDIA-Informationen haben die Anwälte des Depeschendienstes in ihrer Klage wegen angeblich rechtswidrigen Vertragsklauseln vor dem Frankfurter Landgericht auch beantragt, dass dpa mögliche Einnahmeausfälle des ddp erstatten soll. Unterdessen bittet ddp/DAPD ihre Kunden um Geduld dafür, dass ihr angekündigtes Konzept weiter auf sich warten lässt.
Ausgerechnet die Nachrichtenagentur des kleinen Österreichs APA hat sich zum Vorreiter entwickelt - doch so leicht ist es nicht. Auch in Deutschland ist der Agentur-Markt hart umkämpft.
Der Streit um das Informationsfreiheitsgesetz.