Neue Hoffnung für Radio Paradiso

Sender könnte die Frequenz von Jazz-Radio übernehmen.

Veröffentlicht in

am 26. Juli 2010

Im Mai hatte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) das Aus für Radio Paradiso beschlossen. Der christlich angehauchte Sender hat aber dennoch guten Grund, weiter Hoffnung zu hegen. Zum einen hat Paradiso-Chef Matthias Gülzow nun tatsächlich beim Berliner Verwaltungsgericht Klage gegen den Bescheid der MABB eingereicht. Und zum anderen hat die Medienanstalt Frequenzen ausgeschrieben, die Paradiso zupass kommen könnten.

Gülzow bestätigte der Berliner Zeitung, dass er in Erwägung zieht, sich auf die Berliner Frequenz 101,9 MHz zu bewerben: “Wir prüfen das derzeit.” Das aber ist für ihn eine recht groteske Situation. Denn auf 101,9 sendet derzeit das Jazz Radio, das vom Radiohaus Berlin vermarktet wird - eine Firma, die Gülzow ebenso leitet wie Radio Paradiso. Der Sender würde folglich vom Tod eines Partnerkanals profitieren.

Jazz Radio steckt in einer Dauerkrise. Im Frühjahr hat der Kanal, der von Briten betrieben wird, Insolvenz angemeldet. Die MABB sagt, der bestellte Insolvenzverwalter gehe nicht mehr davon aus, dass der Sender noch zu retten sei - und hat deshalb die Frequenz ausgeschrieben. Bis Ende August kann sich auf 101,9 bewerben, wer in der Hauptstadt einen Radiokanal betreiben will.

Lieber die Frequenz wechseln

“Uns wäre es natürlich lieber, wenn Jazz Radio nicht abgeschaltet werden muss”, sagte Paradiso-Chef Gülzow. Aber: “Lieber eine andere Frequenz als keine Frequenz.” Seine eigene muss er nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge abtreten. Der Medienrat der MABB begründet dies im Kern damit, dass Paradiso einst als christlicher Sender antrat, heute aber kaum noch Theologisches mehr ausstrahlt. Der Wortanteil des Programms sei außerdem insgesamt zu niedrig.

Zum Zuge kommen soll Oldie- star, ein Brandenburger Sender, der mit der Paradiso-Frequenz 98,2 MHz expandieren würde. Der Kanal nimmt sich viel vor, wie die Berliner Zeitung erfahren hat. So sieht die bisher unveröffentlichte Lizenz unter anderem vor, dass werktags von 6 bis 20 Uhr ganze 40 Prozent der Sendezeit gesprochen werden muss, statt Musik zu senden. Doch ob da einfach nur ein Moderator plappert oder teure Berichte und Reportagen laufen müssen, lässt die MABB in ihrem Frequenz-Bescheid weitgehend offen.

Rechtsschutz beantragt

Ob Oldiestar wie von der MABB geplant von Dezember an die neuen Frequenzen wird bespielen können, ist indes unklar. Gülzows Anwalt hat immerhin einen “vorläufigen Rechtsschutz” beantragt. Der soll dafür sorgen, dass Paradiso so lange weitersenden darf, bis die Richter darüber geurteilt haben, ob das Aus für den einst von der evangelischen Kirche angeschobenen Sender in Ordnung geht.

Die Klage gegen die MABB-Entscheidung dreht sich um drei Punkte. Gülzow will beweisen, dass Paradiso mehr Information sendet als die Medienanstalt glaubt. Er weist zudem den Vorwurf von sich, mehrfach von der MABB vor einem Lizenzentzug gewarnt worden zu sein. Nicht zuletzt will er klären lassen, was christliche Inhalte eigentlich sind und wer das entscheidet.

Während Paradiso 1997 mit vielen theologischen Sendungen am Tag an den Start ging, kommerzialisierte Gülzow das Programm rasch. Nach seiner Logik verpackt der Sender seitdem die christliche Botschaft mit einer populären Machart, um die zu erreichen, die noch gar nicht in Kirchenkreisen verkehren, dafür aber Potenzial haben.

Neben der Berliner Frequenz von Jazz Radio hat die MABB zudem drei für Brandenburg ausgeschrieben, auf die sich Gülzow nicht bewerben will. Eine davon ist derzeit gar nicht belegt, die anderen beiden vom RBB, der dort den Radio-Multikulti-Nachfolger Funkhaus Europa ausstrahlt. Weil das aber in Brandenburg nicht gehört werde, wolle sich die finanziell angeschlagene ARD-Anstalt gerne die “mehreren hunderttausend Euro” sparen, die eine Bespielung der beiden UKW-Posten koste, sagte ein Sprecher.

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