Bitte hinten anstellen

Die Filmwirtschaft in Berlin und Brandenburg brummt. Studios haben kaum noch freie Kapazitäten.

Veröffentlicht in

am 15. Juli 2010

Die Filmszene liebt offenbar die Hauptstadtregion. Ob Til Schweigers “Keinohrhasen” und “Zweiohrküken” oder Roman Polanskis “Ghost Writer” - die Attraktivität Berlins als Filmstadt bleibt auch in Zeiten der Krise erhalten. Das Medienboard Berlin-Brandenburg - verantwortlich für die Filmförderung - reklamiert den Erfolg für sich. “Film made in Berlin ist eine Marke geworden”, sagte die Chefin der Filmförderung des Medienboards, Kirsten Niehuus.

Zusammen mit Petra Müller, verantwortlich für das Standortmarketing, verteilt sie Steuermittel an deutsche und internationale Produktionen. Diese Starthilfen fallen üppig aus. 2009 waren das 28,9 Millionen Euro. Aber die Filmemacher erhalten das Geld nicht einfach so. Sie müssen dafür mit dem Medienboard einen Deal eingehen: Entweder zeigen sie in ihren Filmen die Region oder aber sie buchen Studios sowie Filmprofis in Berlin und Brandenburg. Das soll helfen, die Region stärker ins Bewusstsein des Publikums zu heben, den Tourismus anzukurbeln oder aber die ansässige Wirtschaft zu stärken.

Nachfrage aus den USA

Die Steuermittel lohnen sich. Inzwischen drehen international gefeierte Regisseure in der Hauptstadt. So hat gerade erst Roland Emmerich in den Studios Babelsberg für seinen nächsten Streifen “Anonymous”, der William Shakespeare nachspüren will, einen Straßenzug nachgebaut, wie er im 16. Jahrhundert in London ausgesehen haben müsste. Nicht nur Schauspieler profitieren davon, auch das Handwerk, diverse Medienschaffende sowie Hotels und Gastronomie. Der sogenannte Regionalfaktor lag 2009 bei rund 360 Prozent. Das heißt, pro einem Euro Fördergeld blieben 3,60 Euro Umsatz durch Filmarbeiten in der Region. Zwar lag der Nutzen deutlich unter dem Faktor von 2008 mit gut 430 Prozent, dennoch steht Berlin-Brandenburg vergleichsweise gut da: In Hamburg etwa setzte jeder Fördereuro im selben Jahr nur 2,20 Euro um.

Das traditionsreiche Studio Babelsberg ist inzwischen völlig ausgelastet: Das Land denkt darüber nach, wie angebaut werden könnte. “Die Wirtschaftskrise ist natürlich auch an Berlin nicht einfach so vorbeigezogen, aber sie ist hier eher glimpflich ausgegangen”, sagte Müller. Ein Sterben der Filmbranche in der Region, wie es manch einer befürchtet hatte, sei nicht eingetroffen. Niehuus berichtete, US-Produktionen seien vom Beinahe-Kollaps der Finanzbranche viel mehr betroffen worden - sie finanzierten sich stärker als europäische über Kapitalanlagen. Ein Umstand, der dem Medienboard in die Hände spielte: “US-Produktionen suchen Geld in Europa und sie sind bereit, dafür Rechte abzutreten”, sagte Niehuus. “Das ist für die Amerikaner ein enormer Wandel.”

In diesem Jahr will sich das Medienboard neben der Filmförderung zudem wieder verstärkt um die Lichtspielhäuser selbst kümmern. Kinos - gut 90 sind es allein in Berlin - sollen bald Zuschüsse beantragen können, um ihre Abspieltechnik auf den neuesten Stand bringen zu können. Denn die klassische Filmrolle ist bald passé. Die Kinos müssen sich bald Filme als digitales Paket bei den Verleihern über Datenleitung selbst abholen. Für die notwendige Umrüstung wollen die Länder Kinobetreibern über das Medienboard in diesem Jahr 300 000 Euro anbieten.

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