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Der Nachrichtensender CNN kündigt der Newsagentur AP und will selbst Schlagzeilen verkaufen.

Veröffentlicht in

am 24. Juni 2010

Der Nachrichtensender CNN lehrt Nachrichtendienstleister das Fürchten. Sein Engagement auf dem Markt, auf dem News gehandelt werden, hat zuletzt stark zugenommen. Bisher expandierte der in Atlanta ansässige Kanal nur im TV-Geschäft - und betreibt neben einem 24-Stunden-Angebot für die USA und dem ebenfalls etablierten CNN-International auch Ableger in der Türkei, Spanien, Chile und Indien. Jetzt greift der Nachrichtensender aber nicht nur auf dem Fernsehmarkt an: CNN hat der Nachrichtenagentur AP gekündigt. Die Mission: Der Sender will selbst Schlagzeilen verkaufen.

Die neuen Marken des Medienhauses, das hierzulande mit Exklusiv-Berichten vom Golfkrieg Anfang der Neunzigerjahre bekannt wurde, heißen CNN News Wire und CNN Share. CNN-Chef Jim Walton schrieb seinen Mitarbeitern, sein Sender selbst werde “ab sofort die Hauptquelle für all unsere Plattformen sein”, was die TV-Ableger ebenso umfasst wie etliche News-Portale im Internet und Lieferungen von sendefertigen Nachrichten an US-Radiostationen.

Der Schritt, der Associated Press zu kündigen, ist bemerkenswert. Immerhin ist die AP auf dem US-Markt unangefochtener Marktführer - weit mehr als hierzulande die dpa. Hinter der Entscheidung steht eine klare Botschaft: CNN glaubt, aus eigner Kraft heraus bieten zu können, womit Nachrichtenagenturen bisher ihr Geld verdient haben. So können Zeitungen wie Onlinedienste auf der Plattform CNN News Wire die Recherchen des Senders kaufen - einzeln, wie das bei Musiktiteln im Netz bekannt ist, oder auch im Abonnement, wie das bei klassischen Agenturen läuft.

Doch auch CNN baut offensichtlich nicht ausschließlich auf seine Reporter. So kündigte der Sender zwar der AP, bezieht aber noch immer Meldungen der Agence France-Presse (AFP), die auch in den USA immer stärker vertreten ist. Vor allem hat CNN nach dreijähriger Abstinenz wieder ein Abo mit der Agentur Reuters abgeschlossen, die sich vor allem um Wirtschaftsberichte kümmert. Aber auch Reuters ist kein Vergleich zu AP, schon gar nicht in den USA, dem Mutterland des News-Kanals.

CNN setzt nach Informationen dieser Zeitung aber auch auf eine ganz andere, völlig neue Technologie: Newstin. Das ist eine Plattform, die IT-Experten in Prag entwickelt haben. Ihr “Emerging Stories Detector” scannt das Netz nach den Bedürfnissen des Nutzers auf der ganzen Welt nach Themen, die sich rasch verbreiten. Schlägt der geheime Algorithmus an, schrillt Alarm. CNN ist Entwicklungspartner von Newstin, das unter anderem auch mit deutschen Sendern und der Bild-Zeitung im Gespräch ist. Auch diese Plattform soll CNN helfen, etablierten Agenturen das Leben schwer zu machen.

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