Kisten packen

Medienrat bekräftigt Lizenzentzug für Radio Paradiso.

Veröffentlicht in

am 23. Juni 2010

Bei Radio Paradiso müssen sie Kisten packen: Der Rat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat gestern seinen Beschluss vom Mai bekräftigt und dem christlich angehauchten Programm definitiv die Verlängerung seiner Sendelizenz versagt, die nach dem Berliner Medienrecht im November endet und zwangsläufig ausgeschrieben werden musste. Zum Zug kommt wie angekündigt Oldiestar, das jetzt den Ausbau seiner Welle vorbereiten kann. Radio Paradiso will den Lizenzentzug rechtlich anfechten. Der siebenköpfige Medienrat verzichtete zunächst weiter darauf, seine Begründung für die Entscheidung öffentlich zu machen. In einer Mitteilung der MABB hieß es nur, Radio Paradiso sei “wiederholt” auf Defizite bei den Programmleistungen hingewiesen worden und es seien “Zweifel begründet, ob in der Zukunft wesentliche Verbesserungen beim Wortprogramm zu erwarten sind”.

Ein einziges Gespräch

Paradiso-Chef Matthias Gülzow beteuerte im Gespräch mit der Berliner Zeitung, es habe in der 13 Jahre dauernden Betriebszeit nur ein einziges Mal ein Programmgespräch mit der Medienanstalt gegeben - und einen Briefwechsel. MABB-Direktor Hans Hege machte im September 2009 deutlich, eine Studie habe “ergeben, dass nach bisheriger Bewertung das Programm deutlich von der erteilten Sendeerlaubnis abweicht”, zitierte die Analyse (”Der Substanzverlust ist ohne Vergleich”) und mahnte, Paradiso habe “entgegen der Sendeerlaubnis mithin einen deutlich unterdurchschnittlichen Wortanteil”. Zudem sei “die ,christliche Orientierung’ im werktäglichen Programm kaum noch erkennbar”.

Das Problem aber ist: Gülzow räumte daraufhin Mängel ein, schob das auf Krankheitsfälle in seiner ohnehin dünn besetzten Redaktion und besserte am Programmschema nach. Eine ähnlich aufgebaute Neuauflage der Studie bestätigte das sogar. Zudem nahm die MABB auch den letzten jährlichen Programmbericht von Radio Paradiso ohne Murren zur Kenntnis, wie Gülzow weiter sagte. Daneben sind heute nicht nur die stündlichen “Texte aus der christlichen Tradition” Teil des Regelbetriebs, sondern auch auf Moral pochende Kommentare des Wortchefs und Pastors Günter Mahler.

Chance für Oldiestar

Dass sich Paradiso zuletzt mit dem Promi-Kabarettisten Eckhart von Hirschhausen einen “engagierten Protestanten” (Gülzow) leistete, der über Glück als gesellschaftlichen Wert philosophieren durfte - und damit für sich warb - überzeugte die Lizenzgeber ebenfalls nicht, wie auch dieser Komplex: Gülzow scharte um Paradiso zuletzt immer mehr Programme, darunter JazzFM und JamFM, dessen Musik nur schwerlich stets christliche Werte abbilden dürfte. Gülzow aber sagt: “In der Vermarktung sind wir Partner und haben auch sonst im Hintergrund Synergien geschaffen. Die MABB gefährdet mit unserem Aus deshalb die wirtschaftliche Grundlage der anderen Sender.”

Auch wenn die ausführliche Begründung der MABB noch nicht öffentlich ist, wird klar: Die Medienwächter drücken nicht bewusst ein kirchlich gefärbtes Programm aus dem Markt, sondern einen Sender, der für sein Alleinstellungsmerkmal zu wenig unternahm oder aus finanzieller Sicht möglicherweise auch gar nicht konnte, denn: Vor allem die evangelische Kirche übernahm viele Kosten für explizit christliche Inhalte auf Paradiso - wie auch schon das Startkapital. Es drängt sich aber die Frage auf, ob ihr Engagement zu dürftig war.

So war auch der vielbeschworene publizistische Mehrwert kaum noch ein Argument, um Paradiso zu halten. Auch hier hätte sich die Kirche stärker engagieren können. So aber fällte die MABB das Urteil, Oldiestar habe schon als Kleinstsender “beachtliche Programmleistungen” erbracht und warte insgesamt mit einer “besseren Vielfaltsprognose” auf.

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