Tiefe Einschnitte
Das Deutschlandradio steht unter Sparzwang. Und Intendant Willi Steul zeigt bisher wenig Interesse, die Redakteure einzubeziehen.
Veröffentlicht in
am 4. Juni 2010
Nicht immer verträgt sich das Bild einer Institution, das sie nach außen hin ausstrahlt, mit ihrem wahren Ich. Das Deutschlandradio ist dafür dieser Tage ein gutes Beispiel. Denn während seine Programme Deutschlandfunk, DRadio Wissen und Deutschlandradio Kultur für Sorgfalt und Seriosität stehen, rumort es in den Funkhäusern gewaltig: Die Senderspitze um Intendant Willi Steul muss sparen, zeigt aber bisher wenig Interesse, die Redakteure einzubeziehen.
Steul selbst liefert für diese Auseinandersetzung reichlich Munition. Dieser Tage redete er im Berliner Institut für Medienpolitik über “die Zukunft des Hörfunks”. Angesprochen auf die Sparpläne in seinem Haus und erste Proteste seiner Belegschaft, die sich etwa in zwei offenen Briefen an die Geschäftsleitung äußerten, sagte Steul: “Die Kollegen haben das Ende des freien Journalismus beklagt. Ich kann ihnen nicht helfen - ich nehme darauf auch keine Rücksicht.”
Antworten auf die Briefe blieben auch intern aus. Im Sender sorgt diese Anti-Diplomatie für Unverständnis. “Hier geht niemand davon aus, dass wir in die Pläne einbezogen werden. Das war noch nie die Politik unserer Geschäftsleitung”, heißt es auf den Fluren der Sender von denen, die bangen. Sie tun das, weil ihnen Steul und Programmdirektor Günter Müchler angekündigt haben, dass noch in der laufenden Gebührenperiode bis 2013 flächendeckend gespart werden müsse. Keine Redaktion sei davon ausgenommen.
Die Geschäftsleitung blickt mit Sorge auf die sinkenden Einnahmen aus den Rundfunkgebühren: Die ARD rechnet in zehn Jahren mit einem Rückgang ihrer Einnahmen um 15 Prozent, obwohl die eigentliche Höhe der Gebühr steigt. “Das trifft auch uns”, sagt Müchler. Dass gespart werden muss, sehen die Mitarbeiter ein. Sie ärgert aber, dass mit ihnen bis heute nicht darüber diskutiert wurde, was wirklich verzichtbar ist und welche Programmmarken geschützt werden sollen.
Als zur NRW-Wahl vor knapp einem Monat erstmals nicht mehr zwei Wahlsendungen produziert wurden, sondern das Deutschlandradio Kultur das Programm des Deutschlandfunks übernehmen musste, wurde das einfach angeordnet - ohne vorangegangene Debatte. Dass sich ihr Sender nicht “mit einer eigenständigen journalistischen Begleitung des Geschehens profilieren” konnte, werfe “ein schlechtes Licht auf Deutschlandradio Kultur”, schrieben die Mitarbeiter daraufhin an Müchler. Der beteuert, wenn er schon sparen müsse, dann dort, “wo die Qualität des Angebots nicht leidet”. Und ergänzt: “Wir werden uns in Zukunft noch öfter streiten, denn die Einschnitte werden tief sein.”
@daniel_bouhs
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