Verschärfte Regeln

Das Online-Auktionshaus Ebay will Kunden zu seinem Bezahlsystem Paypal drängen. Das Kartellamt ermittelt.

Veröffentlicht in

am 27. Februar 2010

Den mündigen Internetnutzer scheint es nicht zu geben - glaubt zumindest die Auktionsplattform Ebay. Anders lässt sich der jüngste Schritt des milliardenschweren Konzerns jedenfalls nicht erklären: Wer mal eben seinen Schallplattenspieler, sein betagtes Sofa oder seine alte wuchtige Fernseh-Röhre loswerden will, den zwingt Ebay neuerdings, den Käufern seinen eigenen Bezahldienst Paypal mindestens als Option anzubieten. Zumindest, wenn er noch kein Stammkunde ist. Warum? Weil das Unternehmen Käufer und Verkäufer vor Betrügern schützen und Vertrauen aufbauen will.

Zahlt ein Käufer sein neues Bügelbrett, den gebrauchten Videorekorder oder den Strampelanzug über Paypal, übernimmt Ebay die Haftung. Sieht der Strampler anders aus als beschrieben, platzt die Zahlung oder kommt das Paket gar nicht erst an, bekommt der geprellte Geschäftspartner sein Geld zurück. In einem Kosmos, in dem einander unbekannte Menschen handeln, will Paypal eine Art Vertrauensperson sein.

Das aber ist nur auf den ersten Blick ein selbstloser Service. Denn Ebay verdient bei Abwicklungen über seinen Dienst mit. Allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres setzte das Unternehmen mit Paypal knapp 800 Millionen US-Dollar um. Ebay-Boss John Donahoe hat den Dienst längst zum zweiten Kerngeschäft erklärt, der auch von Dritten genutzt werden kann. Wenn Ebay Privatnutzer dazu verpflichtet, den eigenen Dienstleister zu offerieren, will er dafür mindestens 1,9 Prozent des ersteigerten Kaufpreises abgreifen. Da läppern sich rasch auch Kleinstbeträge zu riesigen Summen.

Ebay kann sich dieses Diktat erlauben, weil sich im Netz monopolartige Strukturen herausbilden: Für fast jede Branche steht ein unangefochtener Marktführer - für Suchmaschinen Google, für klassisches Shopping Amazon und für Auktionen Ebay. Haben sie diesen Status erreicht, können sie die Regeln verschärfen.

Das versucht jetzt auch Ebay. Weil daran nicht jeder glaubt, regt sich Widerstand: Nutzer beschwerten sich beim Kartellamt. Das kündigte gestern an, den Vorgang zu prüfen. Vielleicht darf dann auch die Kundschaft wieder selbst entscheiden, wie sie ihre Geschäfte abwickeln will. Die Sache ist ziemlich einfach: Wer auf Sicherheit setzt und Paypal einer Direktzahlung vorzieht, der kann vermeintlich unseriösen Käufern schon jetzt aus dem Weg gehen, die sich dieser Möglichkeit verweigern.

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