Mord jetzt auch online
Die ARD stellt ihre “Tatort”-Krimis ins Netz - allerdings nicht jeden und nur für sieben Tage. Woche für Woche schauen bereits mehr als 100.000 Fans online zu.
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am 6. Februar 2010
Ausnahmsweise mal keine Zeit für Ermittlerin Inga Lürsen? Kein Problem: Wer den “Tatort” aus Bremen an diesem Sonntag verpasst, der kann ihn sich mit ein paar Klicks bequem auf den Computerschirm holen. Die ARD stellt neue Folgen dieser Reihe nämlich neuerdings in voller Länge ins Netz, abrufbar in der Mediathek auf der Webseite des Ersten. Am Sonntag muss Lürsen (Sabine Postel) übrigens den Mord einer Unternehmergattin aufklären, die einst die Freundin von Lürsens Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) war. Ein kniffliger Fall.
Der Service im Internet sollte selbstverständlich sein, wo ARD und ZDF doch für die Nutzung “neuartiger Empfangsgeräte” wie Computer mit Netzanschluss zur Kasse bitten - einerseits. Denn das Geschäft mit den Filmen im Netz bleibt andererseits hochgradig kompliziert.
Ein Problem ist etwa, dass sich Sender und Verwertungsgesellschaften noch immer nicht mit allen Musiklabels darauf geeinigt haben, wie viel die eingespielte Musik kostet. Die ist zwar für die TV-Ausstrahlung bezahlt, soll aber eben auch im Netz zum Einsatz kommen. Weil eine Klärung noch aussteht, stellen ARD und ZDF einige Magazine und Dokumentationen nur von Musik befreit in ihre Mediatheken. Bei Krimis würde das freilich nicht funktionieren.
Ein anderes Hindernis: In der digitalen Welt, in der Videoplattformen wie Mediatheken die Verwertungskette vom TV hinaus ins Netz verlängern, wollen Produzenten ihre Filme nicht mehr zum gleichen Preis verkaufen wie bisher. Im Dezember hat sich die ARD nach langwierigen Verhandlungen zu einem Eckpunktepapier durchgerungen, das Produzenten “ausgewogene Vertragsbedingungen” zusagt. Die neun Sender verpflichten sich darin unter anderem, die Hälfte aller Erlöse aus dem Internet, dem Pay-TV, dem Verkauf von DVDs und an kommerzielle Video-Portale an die Produzenten abzuführen.
Nun regelt dieses Papier erstaunlich viel, nicht aber die Nutzung des Materials in den Mediatheken, die bei ARD und ZDF kein kommerzielles Produkt sind - anders als die Plattformen privater Sender wie RTL und ProSieben, die dort Eintrittsgelder nehmen oder Werbung schalten. In der ARD meint manch einer, sie könnten deshalb einfach alles, was sie im TV zeigen, auch ins Netz stellen. Die Produzentenallianz setzte sich dagegen bisher nicht zur Wehr.
So ist zu erklären, dass nur einige ARD-Sender, darunter der SWR, den Mitwirkenden für das Einstellen der Filme ins Netz einen Zuschlag zahlt. Vom NDR, der für die aktuelle Folge des “Tatort” verantwortlich ist, erhielten immerhin Hauptdarsteller und Drehbuchautoren “teilweise” einen Obolus. Andere Anstalten leisten sich hingegen noch nicht mal das. Eine MDR-Sprecherin sagt, die “Tatorte” ihres Senders seien “komplette Buy-out-Produktionen” und damit alle Rechte abgegolten. So sieht das auch der RBB. Der SR stempelte seine Zuschlagspolitik sogar ganz zur Geheimsache.
Weil vieles noch offen ist, kann die ARD den “Tatort”-Fans bislang noch keine Kontinuität bieten. Eine Sprecherin des Ersten sagt, sie versuche “alle Erstausstrahlungen in der Mediathek zu zeigen”, können dies aber “aufgrund der Rechtesituation nicht garantieren”. Es gelte, “jeden Einzelfall” zu prüfen.
Die Zuschauer können sich deshalb nicht darauf verlassen, einen verpassten Krimi in einem Zeitraum von sieben Tagen nach Ausstrahlung online anschauen zu können, wie ihn die Medienpolitik für Unterhaltungsformate zulässt. Obendrein beschränkt der Jugendschutz die Ausstrahlung: Der “Tatort” kann dort überhaupt nur zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gesehen werden.
Das wiederum haben zuletzt laut ARD pro Folge mehr als 100 000 Zuschauer getan - “Tendenz steigend”. Die Kommissare Lürsen & Co. haben damit auch im Netz schon eine beachtliche Fan-Gemeinde gefunden.
@daniel_bouhs
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