“Radiolabor mit Netzanschluss” - DRadio Wissen startet
Verbreitet vom
![]()
am 15. Januar 2010
Mit DRadio Wissen startet das Deutschlandradio am Montag seinen dritten bundesweiten Kanal, der sich an die breite Öffentlichkeit richten soll. “Wir wollen kein Wissenschaftsprogramm machen, sondern ein Wissensprogramm”, sagte Senderchef Dietmar Timm am Freitag bei der Präsentation des Kanals in Berlin. Neben der Wissenschaft gehe es auch darum, Alltagswissen zu vermitteln.
Intendant Willi Steul bezeichnete DRadio Wissen als “Radiolabor mit Netzanschluss”. Der neue Kanal wird nicht über UKW, sondern nur per Live-Stream im Internet, im Kabelnetz und per Satellit ausgestrahlt. Die Hörer sollen im Internet alle Beiträge und Magazine von DRadio Wissen als sogenannte Podcasts abrufen und die Beiträge kommentieren können.
“Ein solches Radioprogramm, das an alle Möglichkeiten des Internets gekoppelt ist, hat es noch nicht gegeben”, sagte Steul und betonte zugleich: “Wir kennen unseren gesetzlichen Rahmen für die Präsenz im Internet. Daran werden wir uns halten.” Der Start von DRadio Wissen sei “keine Expansion des Deutschlandradios im Netz”.
Das Programmschema von DRadio Wissen sieht an Werktagen eine Kernzeit von 6 bis 18 Uhr vor, in der sich im Viertelstundentakt Welt- und Wissensnachrichten abwechseln. Dazwischen sollen Themenmagazine wie “Agenda” für Politik laufen. In der übrigen Zeit will DRadio Wissen vor allem Magazine von ARD-Programmen sowie Radio France und der BBC übernehmen. Noch im Januar sollen zudem Nachrichten auf Latein ausgestrahlt werden.
Der Programmdirektor von Deutschlandradio, Günter Müchler, bezeichnete DRadio Wissen als “Suchmaschine für das Radio von morgen”. Es werde der Austausch mit Hörern, aber auch mit anderen Sendern gepflegt. Weil der neue Kanal lediglich über ein Jahresbudget von 6,9 Millionen Euro verfüge, sei er auf Übernahmen angewiesen. Nach Angaben von Wellenchef Timm soll der Anteil an Eigenproduktionen bei etwa 30 Prozent liegen.
Bis zum Ende der Gebührenperiode im Jahr 2012 muss das Deutschlandradio den Kanal neben dem Betrieb von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur aus eigener Kraft stemmen. DRadio Wissen wird in Köln von 28 festen Mitarbeitern produziert. Die eigenproduzierten Inhalte sollen 50 bis 60 freie Autoren beisteuern.
Den Deutschlandfunk schalten nach Senderangaben täglich etwa 1,5 Millionen Menschen ein, Deutschlandradio Kultur 480.000 Menschen. Eine Zielvorgabe für DRadio Wissen wollte Intendant Steul nicht nennen. Er sagte aber: “Das Programm wird allein wegen seiner Ausstrahlungswege sicher keine Massen erreichen.”
@daniel_bouhs
Xing-Profil