ddp-Eigner wollen deutschen AP-Dienst ausbauen
Neue Kennung “ddp/AP” vorgesehen - Mehr Auslandsmeldungen als bisher.
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in Ausgabe 98/2009
Der Deutsche Depeschendienst (ddp) will den von ihm erworbenen deutschen Dienst der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) weiterführen und stärken. Das kündigten die beiden Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke am 9. Dezember in Berlin an. “Die AP wird nicht mit dem ddp verschmolzen”, sagte Löw. Mittelfristig werde sich an der Parallelstruktur nichts ändern. Auf lange Sicht müsse es aber eine Zusammenarbeit geben. Der bisherige deutsche AP-Dienst werde künftig unter der Kennung “ddp/AP” parallel
zum sogenannten ddp-Basisdienst firmieren und noch mehr Nachrichten aus dem Ausland enthalten.
Der ddp hatte am 7. Dezember die deutsche Tochter der US-amerikanischen AP übernommen und sich dabei für mindestens 15 Jahre das Recht gesichert, alle internationalen Textdienste der AP für den deutschen Markt zu übersetzen und zu verbreiten (epd 97/09). Der Vertrag zwischen den Agenturen sieht umgekehrt auch vor, dass der internationale Dienst von AP auf das Material des ddp zurückgreifen darf.
Der Chefredakteur der deutschen AP, Peter Gehrig, sagte dem epd, er sei nach Gesprächen mit den ddp-Eignern “sehr zuversichtlich”. Nach den Plänen der Eigentümer soll die Redaktion von ddp/AP zunächst in Frankfurt am Main bleiben. Außerdem hieß es, Gehrig bleibe Chefredakteur seines Dienstes und arbeite unabhängig von ddp-Chefredakteur Joachim Widmann.
AP-Chef Tom Brettingen betonte am 9. Dezember, seine Agentur ziehe sich mit dem Verkauf der AP Deutschland GmbH nicht aus Deutschland zurück. Er sprach von einer “Neufokussierung”, bei der AP das Geschäft in Deutschland mit einem Partner abdecke. Die AP habe schon ihre früheren Dienste für Schweden, Dänemark und die Niederlande an örtliche Agenturen verkauft. Für den französischen AP-Dienst als letztes verbliebenes Europa-Angebot sei dies ebenfalls geplant.
Wie ddp-Eigentümer Löw sagte, kommt auf die deutsche AP, die inzwischen ddp International GmbH heißt, ein “eher moderater” Abbau von bis zu 15 Stellen zu. Nach epd-Informationen planen die Eigner zugleich, das internationale Korrespondentennetz auszubauen. So soll der deutsche Reporterplatz in Brüssel wieder besetzt werden, den der AP-Konzern zum Jahresende gestrichen hatte. Außerdem sind feste Korrespondenten in London und Paris geplant. Die deutsche AP greift sonst auf das rund 3.000 Mitarbeiter umfassende weltweite Korrespondentennetz von AP-International zurück.
Inlandsdienste mit unterschiedlichen Sichtweisen
Vorderwülbecke führte den Plan, dass die beiden ddp-Dienste vorerst nicht in einem einzigen Angebot aufgehen sollen, auf bestehende Verträge zurück. Dies seien einerseits Aboverträge mit Zeitungen, Onlinediensten und Sendern, die für den Bezug des deutschen AP-Dienstes nicht nur Auslandsthemen, sondern auch eine verlässliche Inlandsberichterstattung vorsähen. Kunden, die beide Dienste beziehen, sollen zu Inlandsthemen doppelt beliefert werden, auch mit unterschiedlichen Sichtweisen und Gewichtungen, kündigte Vorderwülbecke an.
Andererseits stehen einer Fusion der neuen ddp/AP mit dem ddp-Basisdienst Personalverträge im Weg. Die AP-Mitarbeiter werden nach Tarif bezahlt, die ddp-Mitarbeiter hingegen deutlich unter den Sätzen, die sonst bei Nachrichtenagenturen üblich sind, weil der ddp vor einigen Jahren wegen drohender Pleite radikal sparte. Vorderwülbecke sagte: “An der Tarifstruktur von AP wird sich nichts ändern.” Beim ddp sei eine Gehaltserhöhung zwar das “gemeinsame Ziel von allen Mitarbeitern und der Geschäftsführung”. Dies sei in nächster Zeit aber nicht möglich.
Löw sagte, der ddp wolle “die Monopolstruktur der dpa brechen”. Zuvor hatten beide Eigentümer bereits angekündigt, “dpa verzichtbar” machen zu wollen. Dass es nun mit dem Zusammenschluss von ddp und AP zu einer Konsolidierung auf dem deutschen Zeitungsmarkt gekommen sei, habe auch mit der wirtschaftlichen Situation der Verlage zu tun. Diese seien gezwungen, bei Nachrichtendienstleistern zu sparen. “Die Verarmung in der Landschaft der Presseagenturen hat ihre Ursache in der Preispolitik unserer Kunden”, so Löw.
Gutachten zu dpa-Vertragslaufzeiten
Die ddp-Eigner unterstellen der dpa “sittenwidrige Vertragslaufzeiten mit rechtswidrigen Verlängerungsklauseln”, wie es am 9. Dezember auf der Pressekonferenz wörtlich hieß. Eine “intransparente und nicht veröffentlichte Subventionsverteilung” führe zudem zur Verzerrung des Wettbewerbs und zu “illegalen Kostenvorteilen für die dpa”. Aus einem Brief, den die dpa Anfang 2009 an Chefredakteure ihrer Kunden schrieb und der dem epd vorliegt, geht hervor, dass “die Kumulation aller unserer Bezugsverträge mit staatlichen Stellen im Gesamtumsatz (…) mit einer niedrigen einstelligen Prozentzahl zu Buche schlägt”.
Geschäftsführung und Chefredaktion der dpa reagierten auf die Vorwürfe mit einem Schreiben an die Mitarbeiter im Intranet, das dem epd vorliegt. Darin heißt es: “Alle diese Behauptungen sind falsch, wir weisen die Unterstellungen entschieden zurück und behalten uns rechtliche Schritte vor.” Die Angriffe würfen “ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung der neuen AP-Eigentümer zu Begriffen wie Wahrhaftigkeit und Fairness”.
Nach epd-Informationen hat der Rechtsanwalt Ulrich Schroeder von der Kanzlei Graf von Westphalen (Berlin) ein Gutachten “zur Wirksamkeit der Laufzeitklausel im Nachrichtenbezugsvertrag” bei dpa erstellt. Darin hält er Laufzeiten von fünf Jahren, insbesondere aber automatische Verlängerungen um den gleichen Zeitraum für nichtig. ddp-Eigentümer Vorderwülbecke sagte dem epd, mit diesem Gutachten hätten bereits mehrere ddp-Neukunden laufende Verträge mit der dpa “per sofort” beendet. Er wollte aber keine Verlage nennen. Ein dpa-Sprecher sagte dem epd hingegen, das Gutachten sei der Agentur “in der täglichen Arbeit noch nie begegnet und auch nicht von Kunden vorgehalten worden”.
@daniel_bouhs
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