Spielerische Nachrichten
Springer veröffentlicht kostenpflichtige iPhone-Anwendungen für seine Blätter Bild und Welt.
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am 10. Dezember 2009
Wischen, ziehen, tippen - geht es nach Mathias Döpfner, sieht so das Zeitunglesen der Zukunft aus. Am Dienstagabend stellte der Chef des Axel-Springer-Verlags die Apps (Anwendungen) seiner Blätter Bild und Welt für Apples iPhone vor. Wer anfangs 79 Cent oder 1,59 Euro zahlt, bekommt Neues geboten: die Zeitungen im Originallayout bereits am Abend vor dem Erscheinen, aktuelle Meldungen, Fußball-Liveticker, die sich automatisch aktualisieren und das gesamte Archiv der Titel. Nach einer Testphase soll das bis zu 4,99 Euro im Monat kosten.
Zahlen für den Wissensdurst
Döpfner sagt, nach knapp zehn Jahren sei es vielleicht an der Zeit festzustellen, dass sich Journalismus im digitalen Zeitalter nicht unbedingt nur mit Werbung finanzieren lässt. Mit anderen Worten: Das, was der Verlag im Netz anbietet, lebt noch immer vor allem von den Inhalten, die Redaktionen für die Zeitungen schreiben, für die Leser am Kiosk oder per Abonnement zahlen - ein gängiges Problem der Branche. Döpfner will deshalb “alles unternehmen, um zu prüfen, ob die Menschen bereit sind, für das zu zahlen, was sie wissen wollen”. Immerhin gehe es darum, den Journalismus als Kerngeschäft von Verlagen in einer Zeit zu sichern, in der immer weniger Menschen zu Papier und immer mehr zu Maus oder Handy greifen. Für Springer seien zudem Kontakte zu Kunden, die bezahlen, auf Dauer wertvoller als Kontakte zu Kunden von Gratis-Angeboten. Das klingt einleuchtend. Doch bisher hat kein Verlag mit seinen Inhalten im Netz nennenswert Geld verdient, von Börseninfos und Testberichten einmal abgesehen.
Döpfner will hier ein Pionier sein, entsprechend groß sind die Erwartungen. Das habe alles einen “experimentellen Status” und könne “durchaus schiefgehen”, sagt Döpfner beschwichtigend. Wenn er über seine Apps redet, spricht Döpfner viel über Qualität, für die es auch künftig noch Geld geben müsse, damit Journalisten bezahlt werden könnten. Er sagt aber auch: “Wir dürfen dabei das spielerische Element nicht unterschätzen.” Spielerisch ist etwa sein “Bild-Girl des Tages”. Das können iPhone-Nutzer Schritt für Schritt ausziehen - indem sie ihr iPhone immer wieder schütteln. Das Problem an der Sache könnte sein: Der Apple-Konzern, der alle Apps zentral in seinem eigenen Shop verkauft und damit Zensur ausüben kann, hatte erst vor wenigen Wochen die App des Stern gesperrt. Eine Foto-Strecke war dem Konzern, der mit einem Heer an Mitarbeitern alle Apps in Augenschein nimmt und sie vorher nicht freischaltet, zu freizügig. In der Bild-App zieht sich das Girl des Tages deshalb nicht ganz aus.
Vor allem die iPhone-App der Bild könnte eine Art Killer-Applikation für Informationshungrige werden, die auch unterwegs nicht auf Nachrichten aus allen Themenbereichen verzichten wollen. Die App, die ohne Zweifel die aufwendigste auf dem deutschen Medienmarkt ist, lässt sich bis ins Detail personalisieren. Wer über seinen Lieblingsverein auf dem Laufenden bleiben will, wird genauso automatisch und ohne den Browser anwerfen zu müssen über entsprechende Neuigkeiten informiert, wie jene, die sich für das Geschehen vor der eigenen Haustür interessieren. Damit bedient die App die Bequemlichkeit der Leser. Auch mit einem Bild-Wecker, der Leser im Halbschlaf über neue Sensationen informiert.
Apple freut sich mit
Über die Entwicklungskosten schweigt sich der Verlag aus. Ein ganzes Team habe die Anwendungen seit dem Sommer entwickelt. Billig dürfte das nicht gewesen sein. Und sollte das Experiment glücken, wäre das nicht nur ein Erfolg für den Springer-Verlag und ein hoffnungsfrohes Signal für die Branche, sondern auch ein Kassenfüller für den Apple-Konzern, der hier die Vertriebsstruktur stellt. Das US-Unternehmen streicht für seine Dienste 30 Prozent aller Umsätze ein. Und es wäre damit auch ein Profiteur, wenn mit den Apps in Deutschland die Zeitungsleser von morgen entdeckt werden sollten.
@daniel_bouhs
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