Angriff auf den Marktführer
Die Nachrichtenagentur ddp übernimmt den deutschsprachigen Dienst des einstigen Konkurrenten AP.
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am 9. Dezember 2009
Wer in modern geführten Unternehmen arbeitet, muss sich daran gewöhnen, bisweilen als Letzter zu erfahren, wie seine Zukunft aussieht. Diese Erkenntnis mussten am Montagabend auch die gut 220 Mitarbeiter der Nachrichtenagenturen ddp und AP lernen. Die Reporter konnten dem Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung entnehmen, dass der ddp den hiesigen Dienst der AP geschluckt hat, bis dahin ein Rivale. Die ddp-Eigner Martin Vorderwülbecke und Peter Löw zogen es also vor, die Neuigkeit mit anderen Journalisten zu teilen statt mit ihren eigenen.
Löw und Vorderwülbecke sind Finanzinvestoren. Ihr Beteiligungsfonds Blu-O übernimmt Pillenhersteller, Modefirmen oder Automobilzulieferer. Ganz privat sind beide aber auch noch in den Medien unterwegs. Seit fast einem Jahr gehört ihnen mit dem ddp, dem Deutschen Depeschendienst, eine 1971 gegründete Nachrichtenagentur, die um die Jahrtausendwende kurz vor der Pleite stand. Für Menschen wie Löw und Vorderwülbecke, die Firmen gerne aufpäppeln und auf Profit trimmen, gewiss ein spannendes Projekt.
Ihr größter Coup
Mit dem ddp machen sie, womit sie auch sonst ihr Geld verdienen: Sie investieren in das Unternehmen, das inzwischen knapp jede zweite tagesaktuell arbeitende Redaktion bei Zeitungen und Sendern beliefert - und rentabel ist. Der Kauf des deutschen AP-Dienstes, bislang ein Tochterbetrieb der mächtigen US-Nachrichtenagentur Associated Press, ist in dieser Strategie bisher ihr größter Coup.
Was das genau heißt, ist noch nicht ganz klar. Klar ist nur, dass der ddp die gut 110 Mitarbeiter des hiesigen AP-Ablegers übernimmt. Die Redaktionen von ddp und AP sollen künftig in gemeinsamen Büros arbeiten, dabei sollen bis zu 15 Stellen wegfallen. Der Kaufpreis soll im zweistelligen Millionenbereich liegen. Außerdem hat der ddp für mindestens 15 Jahre das Recht erworben, die Meldungen der weltweit 3 000 AP-Korrespondenten zu übersetzen und an Redaktionen in Deutschland zu verkaufen. Unter welchem Namen - ob weiter unter AP oder unter ddp - ist noch offen.
Diese Frage ist aber nicht ganz unwichtig. Denn während der ddp bei vielen Journalisten noch das Image hat, nicht ganz so ausgereifte Meldungen zu verbreiten und schon mal die eine oder andere Nachricht erst sehr spät zu haben, steht AP seit jeher für harten Journalismus. So erklärt sich auch, warum die ddp-Eigner jüngst scherzten, sich “ja bald Pulitzer-Preise an die Wand hängen” zu können.
Eindeutig ist hingegen, dass der ddp mit dieser kräftigen Stärkung für den Marktführer, die Deutsche Presse-Agentur (dpa), noch gefährlicher wird als je zuvor. Löw und Vorderwülbecke lassen sich dazu mit hochtrabenden Sätzen zitieren: Sie wollen “die beste Voll-Agentur in Deutschland” werden. Und sie wollen “dpa verzichtbar machen” Bei ihrem Kampf gegen die dpa kann der ddp jetzt damit punkten, auch das Weltgeschehen abzudecken. Zum Komplettdienstleister für alle Informationsbereiche fehlt ihm nur noch der Sport, für den als Alternative zur dpa aber der Sportinformationsdienst sid parat steht, eine Tochter der ebenfalls hierzulande aktiven Agence France-Presse (AFP). Und weil AP Deutschland seit Jahren auch eine umfangreiche Inlandsberichterstattung bietet, bei der AP im ständigen Wettlauf um die schnellste Eilmeldung oft genug an der Spitze liegt, legt der ddp auch in diesem Feld auf einen Schlag zu.
Verzicht auf dpa
Wie gefährlich die Situation für die dpa ist, zeigen zwei Beispiele: Seit Januar verzichten gleich vier nordrhein-westfälische und drei in Thüringen erscheinende Blätter der Essener WAZ-Gruppe auf ihre Dienste. Sie setzen bereits auf einen Mix aus ddp, sid und anderen Alternativen. Außerdem hat der Tagesspiegel angekündigt, dpa loswerden zu wollen. Nicht, weil sie zu teuer sei, sondern weil sie ihren Redaktionssitz im Verlag von Axel Springer haben will. Diese Kündigung mag zwar nur ein politisches Signal sein. Es zeigt aber auch: Verlage sind durchaus bereit und in der Lage, auf dpa zu verzichten. Früher war das anders.
AP-International hat unterdessen damit angefangen sicherzustellen, dass ihr englischsprachiger Dienst auch künftig über das Geschehen in der Bundesrepublik berichtet. Im Projekt “New AP” hat sie einige Mitarbeiter der AP GmbH abgeworben. Die übrigen Mitarbeiter sprachen gestern davon, es drohe “ein stolzes Kapitel deutscher Mediengeschichte” zu enden.
Beim Betriebsrat heißt es, die Gründe für den Verkauf seien ohnehin “zum großen Teil ein Rätsel”. Immerhin habe die deutsche AP-Tochter bis zuletzt Jahr für Jahr mehrere Millionen Euro an Gewinnen an New York abgeführt. Aber auch hier hat die Erklärung mit modernen Unternehmen zu tun. Die beschränken sich nämlich gerne auf ihr Kerngeschäft. Und das liegt für die amerikanische Associated Press eben in den USA.
@daniel_bouhs
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