ddp übernimmt deutschsprachigen AP-Dienst

Partnerschaft mit AP-Mutter für 15 Jahre - Zugriff auf AP-Auslandsmeldungen.

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in Ausgabe 97/2009

Der Deutsche Depeschendienst (ddp) hat die deutsche Tochter der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) mit sofortiger Wirkung übernommen. Das teilte ddp in der Nacht zum 8. Dezember seinen Kunden mit. Die AP-Dienste würden in die ddp-Dienste “integriert”. Außerdem sei ddp mit dem AP-Mutterkonzern in New York eine Partnerschaft eingegangen, die auf mindestens 15 Jahre angelegt sei. Damit kann der ddp die internationalen Meldungen der AP übernehmen. Ein Kaufpreis für die Übernahme wurde nicht genannt. Er soll sich aber in zweistelliger Millionenhöhe bewegen.

Die Privateigentümer des ddp, Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, kündigten in der “Süddeutschen Zeitung” (8. Dezember) an, die Redaktionen sollten künftig in gemeinsamen Büros arbeiten. Dabei würden bis zu 15 Stellen gestrichen. Man wolle “die beste Voll-Agentur in Deutschland” werden und die auf dem Markt führende Nachrichtenagentur “dpa verzichtbar machen”. Unklar blieb, ob ddp die Marke AP weiterführen will. Die ddp-Leitung war für Anfragen zunächst nicht zu erreichen. Die AP-Geschäftsführung äußerte sich ebenfalls nicht zu der Übernahme, die allerdings von mehreren Beteiligten bestätigt wurde.

Der Betriebsrat der deutschen AP sprach von einem “traurigen Tag”. Mit dem Verkauf drohe “ein stolzes Kapitel deutscher Mediengeschichte” zu enden. Angesichts der Wirtschaftlichkeit blieben der Belegschaft die Gründe für den Verkauf “zum großen Teil ein Rätsel”. Bedauerlich sei auch, dass die Mitarbeiter von dem Verkauf erst aus der Presse erfahren hätten. Der Betriebsrat begrüßte die Ankündigung des ddp, dass “nicht der Abbau von Stellen im Fokus stehen soll, sondern Wachstum”. Die deutsche AP GmbH war nach epd-Informationen profitabel und führte jährlich Millionengewinne an den Mutterkonzern ab.

Für AP Deutschland arbeiten 110 Mitarbeiter, darunter 80 Redakteure. Für Auslandsmeldungen greifen sie auf den internationalen Dienst der AP zurück, für den weltweit etwa 3.000 Journalisten in 97 Ländern arbeiten. Der ddp hat sich das Recht gesichert, das englischsprachige AP-Material zu übersetzen und in den eigenen Dienst zu integrieren. Anders als bisher liefert ddp damit künftig nicht mehr nur Meldungen aus dem Inland, sondern auch aus dem Ausland. Abgesehen von der bisher fehlenden Sportberichterstattung ist die Agentur damit ein Volldienstleister.

Löw und Vorderwülbecke hatten den ddp im Januar 2009 übernommen (epd 6/09). Seit Sommer 2009 hatten sie mit dem New Yorker Konzern über den Kauf der deutschen AP verhandelt (epd 76/09). Probleme für dpa? Die Übernahme des deutschsprachigen AP-Dienstes, der auch Kunden in der Schweiz und in Österreich beliefert, gilt vor allem als Problem für den Marktführer, die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Sie war zuletzt unter Druck geraten, weil unter anderem Regionalzeitungen der WAZ-Gruppe auf die dpa-Dienste verzichteten, weil diese zu teuer seien. Im November kündigte auch der “Tagesspiegel” an, ab Sommer 2010 auf dpa zu verzichten (epd 89/09). Die dpa reagierte auf den wachsenden Druck bereits mit der Ankündigung, im Sommer 2010 die bisher auf mehrere Standorte verteilten Redaktionen in Berlin zusammenzuführen (epd 88/09).

Der künftige Chefredakteur Wolfgang Büchner, der von “Spiegel Online” zur dpa wechselte und dort zum Jahreswechsel Wilm Herlyn ablöst, hat nach epd-Informationen intern bereits ein sogenanntes Feinkonzept für diese Zusammenlegung vorgelegt. Demnach wird die dpa ihre Ressorts für Innenpolitik und das Ausland zusammenlegen, um der Entwicklung in vielen Zeitungsredaktionen Rechnung zu tragen, die diese Bereiche häufig auch von nur einer Redaktion betreuen lassen. Außerdem will Büchner ein neues Ressort gründen, das sich mit dem Internet und der Technik im Alltag beschäftigt - bisher eine Domäne der AP. Das Konzept sieht auch den Abbau von bis zu 30 Stellen vor, aber explizit keine Kündigungen.