Prekäre Affäre
Deutsche Verlage beraten den Umgang mit Google.
Veröffentlicht in
![]()
am 19. November 2009
Rupert Murdoch hatte kürzlich eine Idee. Verlage, sinnierte der Medienmogul, könnten Google doch schlicht verbieten, ihre Seiten in den Treffern der Suchmaschine aufzulisten. Doch während auch viele deutsche Verlage nach Modellen fahnden, um mit ihren Seiten mehr zu verdienen - so weit wie Murdoch wollen sie nicht gehen.
Gestern kamen in Berlin gut 70 leitende Redakteure und Verlagsmanager zusammen. Sie diskutierten, wie Zeitungen mit Google umgehen sollen. Ihr Verband, der BDZV, präsentierte eine Studie, der zufolge gerade einmal 14 Prozent der hiesigen Zeitungen in Google nur eine Gefahr sehen. Für die meisten ist Google beides: Partner und Bedrohung zugleich. Die Verlage wollten bei ihrem Treffen unter sich bleiben, da sie mit einem Google-Vertreter auch ein Hintergrundgespräch führten. BDZV-Referent Holger Kansky fasste die Stimmung gestern in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung so zusammen: “Auf Google will hier keiner verzichten.”
Diese Haltung schlägt sich auch in den Umfrageergebnissen nieder: 70 Prozent der deutschen Zeitungshäuser sehen Chancen, mit der Optimierung ihrer Seiten für Google & Co. mehr Leser zu gewinnen. In der Spitze komme bereits gut die Hälfte über Trefferlisten der Suchmaschinen. Dabei haben der Studie zufolge erst 63 Prozent aller Zeitungsseiten ihre Auftritte für Suchmaschinen optimiert.
Katja Riefler, die sich für den BDZV bei den Verlagen umhörte, hält jedoch in ihrem Fazit fest, wie “prekär” das Verhältnis von Google zu den Zeitungen ist. Während der Suchmaschinenbetreiber allein 2008 weltweit 14,4 Milliarden US-Dollar mit Anzeigen erlöste, “sahen die Produzenten der Inhalte, auf die Google verweist, keinen Cent”.
Verlagsmanager und Chefredakteure nutzten das gestrige Treffen dann auch für ihr Anliegen: Christoph Keese, Cheflobbyist des Axel-Springer-Konzerns, forderte von Google die Einführung des “fair share”-Prinzips. Dabei müsste Google den Verlagen etwas von den Werbeeinnahmen abtreten. Google wehrt sich dagegen.
Unternehmensberaterin Riefler notierte nüchtern, Google sei für die Zeitungen weder der Totengräber noch der goldene Ritter, von dem die Rettung des Journalismus zu erwarten sei, sondern verfolge bloß eigene Interessen. Sollten dabei Zeitungen auf der Strecke bleiben, wird Google das “als bedauerlichen Kollateralschaden betrachten und seinen Weg fortsetzen”. Wie wenig Eindruck ein Google-Boykott der deutschen Zeitungen machen würde, zeigt eine Untersuchung von TRG. Das Unternehmen testete mit Millionen Suchabfragen, wie viele Treffer unter Googles ersten zehn Suchergebnissen fehlen würden, wenn keine Seite der deutschen Verlage mehr zu finden wäre. Das Ergebnis: Im Schnitt verweisen nur fünf Prozent der vorderen Ergebnisse auf deutsche Verlage online.
@daniel_bouhs
Xing-Profil