Weiter Streit um Radioübertragung des TV-Duells
Eine Beteiligung von Deutschlandradio scheint möglich - ARD weist Vorwürfe zurück - Streit erreicht Politik.
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am 23. August 2009
Der Streit über eine Radioausstrahlung des TV-Duells zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) setzt sich fort. Nach Informationen des epd zeigen sich die beteiligten Privatsender RTL und Sat.1 verärgert darüber, dass die ARD erst Anfang August in den Vorbereitungsrunden des Duells den Wunsch geäußert habe, das Streitgespräch auch im Hörfunk zu übertragen. Ein Privatsender-Mitarbeiter sagte dem epd am Wochenende: “Die Vertreter der ARD haben auf ihrer Position nicht sonderlich beharrt.”
Das TV-Duell am 13. September wird von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 gezeigt. Eine Live-Übertragung im Radio und im Internet soll es in diesem Jahr nicht geben. Sprecher von RTL und Sat.1 bestätigten auf Anfrage, an der Fernseh-Exklusivität des Streitgespräches festhalten zu wollen.
Der Fernseh-Chefredakteur der ARD, Thomas Baumann, bekräftigte am Sonntag, er habe die Bitte mehrerer ARD-Hörfunksender für eine Live-Übertragung im Radio in die Planungen zum TV-Duell eingebracht und “argumentativ unterstützt”. Allerdings habe sich “die Mehrheit der das TV-Duell veranstaltenden Sender” dagegen ausgesprochen. Baumann sagte weiter, eine zeitgleiche Radioübertragung würde die Exklusivität dieses TV-Ereignisses “in keinem nennenswerten Umfang” schmälern.
Zuletzt hatte sich das Deutschlandradio darüber beschwert, dass das TV-Duell in diesem Jahr erstmals nicht im Radio übertragen werden soll. Programmdirektor Günter Müchler kritisierte, die Begegnung von Merkel und Steinmeier trage “ganz wesentlich zur Meinungsbildung der Wähler” bei. Mit einem Radioverbot würden “wesentliche Teile der Wählerschaft von der Möglichkeit dieser Meinungsbildung ausgeschlossen bleiben”, darunter arbeitende, reisende und blinde Menschen.
Eine Sprecherin von Sat.1 sagte dem epd, mit vier übertragenden Sendern werde eine hohe Reichweite erzielt. Sehbehinderte Menschen würden damit nicht ausgeschlossen. “Ton gibt es hier ja auch”, sagte die Sprecherin. Sie betonte, dass das Duell auch von Phoenix übertragen werde - mit einer Gebärdensprachen-Dolmetscherin. Außerdem könne jeder andere Sender das komplette TV-Duell nach der Live-Übertragung wiederholen.
Der mit dem Vorgang vertraute Privatsender-Mitarbeiter sagte dem epd, dem Deutschlandradio könne möglicherweise kurzfristig doch noch eine Live-Übertragung zugestanden werden. “Das könnte eventuell klappen, wenn das Deutschlandradio sich aktiv in die Planungen einbringt und etwa die Bereitstellung eines Teils der Technik übernimmt wie die Arbeitsplätze von Hörfunk-Reportern im Pressezentrum des Duells.” Konkret gehe es um eine Kostenübernahme, da sich die vier Fernsehsender den Aufwand teilen. “Das Deutschlandradio kann doch nicht ein paar Wochen vor dem Termin anklopfen und für das Signal nichts tun wollen”, so der Mitarbeiter.
Die Diskussion beschäftigte unterdessen auch die Politik. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte dem “Focus” laut Vorab-Meldung vom Wochenende, das Kanzler-Duell sei “Kernbestandteil der Grundversorgung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk”. Oettinger appellierte wie zuvor der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) an die Sender, “ihre Haltung nochmals zu überdenken und den Hörfunksendern eine Übertragung zu ermöglichen”.
Ein Sprecher des ZDF sagte hingegen dem epd: “Für uns gilt bis auf weiteres die gemeinsame Entscheidung der vier Sender.” Das TV-Duell solle “ein großes Fernseh-Liveereignis sein”, bei dem die gleichzeitige Ausstrahlung der vier großen TV-Sender “für sich eine Besonderheit” sei. Die TV-Exklusivität erziele “eine immense Reichweite”. Auch der ZDF-Sprecher gab an, die Vertreter von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 hätten sich “ohne große Diskussion” darauf verständigt, “dass die Live-Ausstrahlung des TV-Duells den produzierenden Sendern vorbehalten bleibt”.
@daniel_bouhs
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