TV-Duell: Deutschlandradio streitet mit Fernsehsendern
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am 19. August 2009
Das TV-Duell der Kanzlerkandidaten sorgt für Streit unter den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Der Programmdirektor des Deutschlandradios, Günter Müchler, kritisierte, dass seine Sender das Duell nicht live übertragen dürfen. Müchler sagte am Mittwoch dem epd, der für den 13. September geplante Schlagabtausch sei “eine Begegnung, die ganz wesentlich zur Meinungsbildung der Wähler” beitrage. Mit einem Radioverbot würden “wesentliche Teile der Wählerschaft von der Möglichkeit dieser Meinungsbildung ausgeschlossen bleiben”, darunter arbeitende, reisende und blinde Menschen.
“Wir haben kein Verständnis dafür, dass diese Aspekte offenbar nicht mit bedacht wurden”, sagte Müchler. Vor allem die öffentlich-rechtlichen “Familien-Mitglieder” müssten diese Überlegungen eigentlich mittragen. Die Begegnung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) sei “von erheblichem öffentlichen und staatsbürgerlichem Interesse”.
Das TV-Duell wollen ARD und ZDF gemeinsam mit den Privatsendern RTL und Sat.1 zeigen. Sprecher von ARD und ZDF bestätigten dem epd, dass sich die Sender darauf geeinigt hätten, in diesem Jahr keine Live-Übertragung im Radio und im Internet zuzulassen. Das gelte auch für die Radiowellen der ARD und die Internetseiten der beteiligten Sender. Vor vier Jahren hatte unter anderem das Deutschlandradio das Duell zwischen Merkel und dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) übertragen.
Müchler sanktionierte ARD und ZDF unterdessen im eigenen Programm dafür, ein zeitgleiches Durchschalten des TV-Duells zu untersagen. In einem dem epd vorliegenden und mit “Dienstanweisung” betitelten Schreiben, das an mehrere Redaktionen ging, heißt es: “Auf Anweisung des Programmdirektors und bis auf Widerruf wird Deutschlandradio Kultur keine Hinweise oder Empfehlungen mehr für Sendungen im Fernsehprogramm von ARD und ZDF bringen. Hintergrund: ARD und ZDF sind dagegen, dass Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk auf einer ihrer Mittel- Kurz- oder Langwellen das Kanzlerduell zwischen Merkel und Steinmeier übertragen.”
Der Programmdirektor wollte seine Anweisung, die sich auf alle TV-Sendungen von ARD und ZDF bezieht, nicht direkt kommentieren. Er sagte dazu lediglich: “Unsere Programme würden gern für das sogenannte Duell werben, werden das aber natürlich nur dann tun, wenn wir von der Übertragung nicht ausgesperrt werden.”
Das Deutschlandradio plant, die Begegnung direkt im Anschluss von Wissenschaftlern und Publizisten bewerten zu lassen. In dieser “Kommission zur Kanzlerdebatte” sollen nach US-Vorbild unter anderem “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und der Leiter des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, Lutz Hachmeister, das Gespräch analysieren. Programmdirektor Müchler sagte dem epd, diese Sendung stehe nun auf dem Prüfstand, da sie keinen Sinn mache, wenn die Debatte nicht zuvor live ausgestrahlt werden dürfe. Eine ARD-Sprecherin verwies darauf, alle Hörfunk- und Fernsehsender dürften das Duell ab fünf Minuten nach der Live-Sendung wiederholen.
@daniel_bouhs
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