I wie Information

In Portugal will eine neue Tageszeitung der Krise mit ungewöhnlicher Struktur trotzen: “i” gleicht mehr einem täglichen Magazin als einer Tageszeitung. Das Layout erinnert wie kein anderer täglicher Titel an Hochglanz.

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am 13. Mai 2009

Ein Zeitungsstart mitten in der Medienkrise: Seit genau einer Woche buhlt i (wie Informação) um die Gunst der Portugiesen. Dabei setzt das Blatt, mit einer Auflage von 100.000 Stück gestartet, auf ein einzigartiges Konzept. i sprengt nicht nur die klassischen Ressorts, sondern geht auch konsequent davon aus, dass sich Leser heute über das Weltgeschehen in Netz, TV und Radio informieren.

Wer i in die Hand nimmt, hält zweifellos ein großartiges Stück Zeitung vor sich. Das Blatt ist extrem handlich, sogar noch einen Tick kleiner als die Printausgabe der Frankfurter Rundschau. i gleicht mehr einem täglichen Magazin als einer Tageszeitung, wie sie bisher den Markt dominierte: Das Layout erinnert wie kein anderer täglicher Titel an Hochglanz, die exzellente Fotoauswahl ebenso - nur das Cover folgt schon jetzt nicht ganz konsequent dieser Linie.

Manches ist verspielt, vieles aufwändig, gelegentlich aber auch gewöhnungsbedürftig. So erklärt i die so genannte Schweinegrippe (H1N1) schon mal in einem Comic. Da sieht selbst der gepriesene britische Guardian alt aus. Vor allem aber: i packt das Weltgeschehen in vier Seiten. Dieses Paket hat die 80-köpfige Redaktion, zu der sechs Zeitungsdesigner gehören, “Radar” getauft. Dort finden sich Meldungshäppchen, auch aus Technik und Wissenschaft, für alle Leser, die noch immer eine Art transkribierte “Tagesschau” von ihrer Zeitung erwarten. Wer darauf aber keine Lust hat, der wird in den übrigen gut 70 Seiten nicht mehr mit den Geschichten von gestern belästigt.

Damit bleibt viel Platz für opulente Geschichten. Die holt sich i auch aus der New York Times. Das macht zwar hier zu Lande immer montags auch die Süddeutsche Zeitung. Die Münchner lagern dieses “Best of” der prominentesten US-Zeitung aber in eine eigene englischsprachige Beilage aus und übernehmen dabei sogar das urige Layout.

Anders i: Hier finden sich die Geschichten die ganze Woche über, ins Portugiesische übersetzt und in dem brillanten Layout, das i ausmacht. Das verleiht der Zeitung einen kosmopolitischen Anstrich. Das könnte helfen, denn i will ja vor allem junge Leser wieder für Zeitungen begeistern.

Kern von i sind die mit “Zoom” betitelten Seiten, die ihre Leser mit sechs bis acht Dossiers oder Reportagen versorgen - und das jeden Tag. Weil das Blatt gleichzeitig nicht in den klassischen Rubriken Politik, Wirtschaft und Kultur denkt, sondern alle Themen gleichwertig behandelt, überrascht es stets aufs Neue. Sparten, in denen sich eine Zeit lang nichts bewegt, fliegen unbemerkt aus dem Blatt.

Das hilft auch, um Irritationen wie diesen aus dem Weg zu gehen: Während sich die traditionellen Zeitungen seit Monaten immer wieder schwer damit tun, die einzelnen Aspekte der Wirtschaftskrise zu platzieren und ihre Leser so häufig quer durchs Blatt treiben, haben die Portugiesen kein Problem, komplexe Themen unterzubringen. Denn die Macher von i, deren Chefredakteur Martim Figueiredo immerhin über Jahre das Wirtschaftsblatt Económico leitete, halten nichts davon, Lebensbereiche zu trennen.

Politik, Wirtschaft, Kultur - alles eins. Nur Service, Buntes und Sport finden in einem Sammelbecken am Ende der Zeitung einen festen Platz. Diese moderne Herangehensweise wiederum passt zur Zielgruppe. Denn i will die junge Elite erreichen, die “upper class”, und nicht die Boulevardsüchtigen, wie Vize-Chefin Mónica Bello sagt.

“Zeiten der Krise”, sagt Bello außerdem, “sind doch die besten Zeiten, um neue Dinge zu starten. Eine Krise muss ja nichts Schlechtes sein.” Wie gut das mit i klappt, das von einem Industriekonzern mit gut zehn Millionen Euro angeschoben wurde, werden sie im Verlagshaus bei Lissabon aber erst nach einigen Monaten wissen. Noch liegen keine Zahlen vor.

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