Smartphones werden erwachsen

Nach dem G1 ist gerade das zweite Gerät auf den Markt gekommen, das auf Googles Android-Plattform setzt. Die Konkurrenz im Smartphone-Markt wächst.

Veröffentlicht auf

am 29. April 2009

Stellen Sie sich vor, Sie stehen mal wieder in einem Elektronikfachgeschäft und wissen nicht, ob die Videokamera, die Sie da in der Hand halten, gut ist und wirklich preiswert. Smartphones können inzwischen helfen, diese Frage zu beantworten. Diese Minicomputer, die sich als Mobiltelefone tarnen und ständig über Funk mit dem Internet verbunden sind, bieten Möglichkeiten, von denen wir vor wenigen Jahren noch keine Ahnung hatten.

Um beim Beispiel zu bleiben: Sie fotografieren den Barcode von der Packung ab. Ein Programm zeigt Ihnen die Preise an, für die Sie Ihre Kamera im Netz kaufen können, zudem Testberichte und Vergleichstabellen. Geräte, die so etwas und viel mehr können, haben derzeit Konjunktur. Das erste ernst zu nehmende Smartphone war das iPhone. Nach dem Verkaufsstart im November 2007 ist inzwischen bereits die zweite Generation zu haben, die am schnelleren UMTS-Netzwerk hängt.

Längst aber hat das Apple-Spielzeug Konkurrenz. Nachdem T-Mobile im Februar mit dem G1 eine Alternative zum iPhone auf den Markt brachte, versucht es nun auch Vodafone. Produktname: Magic. Das internetfähige Multimedia-Handy des taiwanesischen Herstellers HTC setzt auf Android, das Betriebssystem von Google. Mobiltelefone, die mit Android laufen, werden deshalb in Konkurrenz zu Apples iPhone auch inoffiziell G-Phone genannt. Beide Plattformen sind sich im Grunde ziemlich ähnlich.

Genau wie die beiden Betriebssysteme der “Gegenseite”, Windows Mobile und Blackberry. Sie ähneln sich vor allem darin, dass sie noch immer auf Geschäftskunden zugeschnitten sind – auch wenn die Hersteller anderes behaupten: E-Mails, Kalenderfunktionen und Adressbücher lassen sich am besten verwalten, wenn die Geräte sich mit einem Firmenserver verbinden. Eine Technologie, die noch aus einer Zeit stammt, als Smartphones nur für Unternehmen erschwinglich waren.

Sowohl iPhone als auch G-Phone richten sich dagegen an Jedermann und versuchen, den Zugang zum Internet so leicht wie möglich zu gestalten. Sie lassen sich bequem mit den Fingern steuern. Wird das Display gedreht, dreht sich die Darstellung mit – Fotos und Texte können so im Quer- oder Hochformat betrachtet werden. Internetseiten sehen auf den Geräten aus, wie zuhause auf dem Computer. Der Nutzer muss die Seiten mit dem Zeigefinger nur hin, her, hoch oder runter schieben, um alles zu sehen. Youtube-Videos sind erstaunlich problemlos abrufbar. Ein integriertes GPS-Modul hilft beim Navigieren – bis in die Einkaufszone.

Doch gibt es auch deutliche Unterschiede. So ist Adroid eine Plattform, die nicht an einen Handy-Hersteller gebunden ist. Apple hingegen verweigert sich Mitnutzern. Das Gerät ist außerdem – zumindest offiziell – nur mit einem Vertrag von T-Mobile zu haben. Wer auf die anderen Mobilfunkanbieter setzt, geht leer aus.

Der klare Vorteil von Android: Interessierte werden schon bald aus einem guten Dutzend unterschiedlicher Modelle wählen können – mit fester Tastatur oder ohne; mit  großem oder kleinem Bildschirm, mit guter oder schlechter Kamera. Je nach Bedarf und Geldbeutel. Das jetzt vorgestellte Magic und das G1 sind somit nur der Beginn. Für Juni etwa hat auch Telefonica O2 ein eigenes Modell angekündigt. Es wird das dritte G-Phone in Deutschland sein. Und der Geräte-Wettbewerb, der gerade erst anläuft, wird wohl auch bald für mehr Leistung sorgen. So wird das Samsung-Modell mit einer längeren Akku-Laufzeit und einer besseren Kamera aufwarten als seine Mitbewerber.

Auch bei der eigentlichen Stärke von iPhone und G-Phone wird sich noch einiges tun, bei den Software-Erweiterungen. Die können Nutzer in Online-Shops abrufen, die direkt in den Geräten integriert sind (Apple: App Store, Google: Android Market). Einige dieser Tools kosten Geld, viele aber sind kostenlos. 25.000 dieser kleinen Programme stehen beispielsweise für das iPhone bereit, die neben Spielereien durchaus Brauchbares bieten: Hinweise für die pünktliche Einnahme von Tabletten, den Abruf von Radiosendern oder Gehirnjogging für die Bahnfahrt. Mitte April meldete der Konzern eine Milliarde Downloads.

Wie hart der Wettbewerb bereits geworden ist, zeigt eine Meldung zum Start des Magic. Eine Münchner Firma, die Patente kauft und verwertet, hat HTC und auch Nokia verklagt. Sie fordert Lizenzzahlungen in Millionenhöhe. Es geht um Patente, die IPCom von Bosch gekauft hat und deren Technologie bei UMTS-Handys eingesetzt wird. HTC meint, einige der Patente seien nicht mehr gültig und will nicht zahlen. IPCom droht daher damit, den Verkauf der neuen Geräte gerichtlich verbieten zu lassen.

Aufgrund der Konkurrenz weicht auch langsam die Abhängigkeit des Betriebssystems von seinem Entwickler auf. Zumindest bei Google. Die erste Version von Android konnte nur in Gänze nutzen, wer sich bei Google-Mail und beim Kalender von Google anmeldete. Fans der Produkte wurde es leicht gemacht, E-Mails, Kalender oder Kontakte via Google-Server mit anderen Computern zu synchronisieren. Alle anderen aber konnten diese Funktion kaum nutzen. Der Internet-Konzern will User an seine Dienste binden, die ihm Geld bringen, meist indem er dort Werbeplätze verkauft.

Ende April nun wurde ein Android-Update veröffentlicht, dass diese Bindung lockert. Dank diesem ist kein Google-Login mehr erforderlich, um alle Möglichkeiten nutzen zu können. Im Mai soll die Software per Funk automatisch auf allen bereits im Umlauf befindlichen Geräten landen. Der Druck anderer Entwickler, die zwar Android nutzen, aber nicht zu Google gehören, macht es möglich.

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