Unbequeme Vorbereitungen

ARD und ZDF stellen sich auf Olympia 2008 in China ein.

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am 20. März 2008

Wenn am 24. März Sportler aus aller Welt das Olympische Feuer in Griechenland aufflammen lassen, um es auf Reise über die Kontinente zu schicken, kann Walter Johannsen diesen Moment nicht wirklich genießen - er wird in Vorbereitungen stecken. Denn der NDR-Journalist ist Teamchef von ARD und ZDF für die diesjährigen Olympischen Spiele. Für die Sender ist zwar jede Großveranstaltung ein logistisches Unterfangen. Peking 2008, das ist für Johannsen aber «ein Kraftakt, wie wir ihn bisher nicht erlebt haben».

Da ist die Zeitverschiebung von sechs Stunden: Wenn Monica Lierhaus und Michael Antwerpes für die ARD vom 8. August an im täglichen Wechsel mit dem ZDF um acht Uhr Ortszeit auf Sendung gehen, schläft Deutschland noch. Dann wird nur Fachpublikum vor den Mattscheiben sitzen. Begeisterte, die sich einen Wecker gestellt haben.

Ein Kraftakt ist Olympia 2008 aber vor allem wegen des Gastgebers. Mit China werden die Olympischen Spiele die ersten seit 1936 in Berlin sein, die in einem absolut undemokratischen Staat stattfinden - lässt man Seoul 1988 mit einer bereits existierenden und operierenden politischen Opposition ebenso außer acht wie die Spiele in Moskau 1980, die vom Westen boykottiert wurden.

Olympische Spiele in der Volksrepublik, das ist zwar faszinierend, bedeutet aber auch Querelen und Nörgeleien. Johannsen sagt dazu: «Wir kooperieren mit einem Partner, den wir so bisher noch nicht hatten.» Dort würden Anforderungen gestellt, «mit denen wir uns sonst nicht so lange aufhalten müssen». Das fange bei den Visa an, gehe über enorme Zollformalitäten und höre noch lange nicht damit auf, dass China keine europäischen Führerscheine akzeptiere.

Dauerhaft entsandte Korrespondenten wie Johannes Hano können darüber nur müde lächeln. «Das Arbeiten ist hier nun mal schwieriger als überall sonst auf der Welt», sagt der ZDF-Reporter, der für seine Mainzer Kollegen erst einmal eine «China Fibel» geschrieben hat. Er scherzt: «Die können sich hier noch nicht einmal ein Eis kaufen.»

Das Problem ist: An dieser flapsigen Bemerkung ist etwas dran. Denn weil in China nur ein Bruchteil der Menschen ein wenig Englisch spricht, sind Ausländer abseits der Touristen-Höhepunkte verloren. ARD und ZDF werden deshalb vor Ort so viele Hilfsarbeiter anheuern wie noch nie. «Von uns kann ja auch keiner die ganzen Schriftzeichen und damit allein einfachste Schilder entziffern», sagt Johannsen. ARD und ZDF reisen mit Hunderten Mitarbeitern an und werden einen eigenen Sendebetrieb aufbauen - Redaktionsräume, Maske und Regie inklusive.

Das größte Problem aber ist die Bürokratie. «Hier in China findet man oft keinen, der Verantwortung übernehmen will», sagt Johannsen. Das wiederum hat laut Hano damit zu tun, dass die Behörden voreinander Angst hätten. Als ihm etwa auf einem Parteitag Equipment gestohlen wurde und er den Vorfall melden wollte, wurde er von einer Polizeidienststelle zur nächsten gereicht. «Es würde doch niemand zugeben, dass während des Parteitags ein Verbrechen passiert.»

Das Regime weiß natürlich, dass es während der «Spiele» unter extremer Beobachtung steht. Mit der Bewerbung hat sich Peking zudem verpflichtet, Pressefreiheit einzuführen. Deshalb dürfen sich Journalisten nun frei bewegen und befragen, wen sie wollen.

Das ist allerdings nur eine Revolution auf Papier: Jetzt werden die Quellen unter Druck gesetzt, nicht mehr die Journalisten. «Damit setzen wir die Menschen, die wir einfach interviewen und nicht vor dem Regime schützen, einer Gefahr aus», sagt Hano. «Unsere Verantwortung steigt.» Im Kontakt mit den Kollegen sieht er deshalb eine seiner Aufgaben darin, die für kurze Zeit anreisenden Journalisten zu sensibilisieren.

In den täglich gut 17 Sendestunden wollen ARD und ZDF auch das heikle Thema Doping aufgreifen. Die ARD-Doping-Redaktion schickt dafür zwei Reporter. «Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass man in Sachen Doping nicht viel finden wird», sagt Johannsen. Nicht, dass er so blauäugig wäre, anzunehmen, dass ausgerechnet dort nicht gedopt würde. «Aber China wird natürlich alles tun, um nicht unangenehm aufzufallen.»