Jüngste Veröffentlichungen von Daniel Bouhs

Neue Hoffnung für Radio Paradiso

Sender könnte die Frequenz von Jazz-Radio übernehmen.

Veröffentlicht in

am 26. Juli 2010

Im Mai hatte die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) das Aus für Radio Paradiso beschlossen. Der christlich angehauchte Sender hat aber dennoch guten Grund, weiter Hoffnung zu hegen. Zum einen hat Paradiso-Chef Matthias Gülzow nun tatsächlich beim Berliner Verwaltungsgericht Klage gegen den Bescheid der MABB eingereicht. Und zum anderen hat die Medienanstalt Frequenzen ausgeschrieben, die Paradiso zupass kommen könnten.

Gülzow bestätigte der Berliner Zeitung, dass er in Erwägung zieht, sich auf die Berliner Frequenz 101,9 MHz zu bewerben: “Wir prüfen das derzeit.” Das aber ist für ihn eine recht groteske Situation. Denn auf 101,9 sendet derzeit das Jazz Radio, das vom Radiohaus Berlin vermarktet wird - eine Firma, die Gülzow ebenso leitet wie Radio Paradiso. Der Sender würde folglich vom Tod eines Partnerkanals profitieren.

Jazz Radio steckt in einer Dauerkrise. Im Frühjahr hat der Kanal, der von Briten betrieben wird, Insolvenz angemeldet. Die MABB sagt, der bestellte Insolvenzverwalter gehe nicht mehr davon aus, dass der Sender noch zu retten sei - und hat deshalb die Frequenz ausgeschrieben. Bis Ende August kann sich auf 101,9 bewerben, wer in der Hauptstadt einen Radiokanal betreiben will.

Lieber die Frequenz wechseln

“Uns wäre es natürlich lieber, wenn Jazz Radio nicht abgeschaltet werden muss”, sagte Paradiso-Chef Gülzow. Aber: “Lieber eine andere Frequenz als keine Frequenz.” Seine eigene muss er nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge abtreten. Der Medienrat der MABB begründet dies im Kern damit, dass Paradiso einst als christlicher Sender antrat, heute aber kaum noch Theologisches mehr ausstrahlt. Der Wortanteil des Programms sei außerdem insgesamt zu niedrig.

Zum Zuge kommen soll Oldie- star, ein Brandenburger Sender, der mit der Paradiso-Frequenz 98,2 MHz expandieren würde. Der Kanal nimmt sich viel vor, wie die Berliner Zeitung erfahren hat. So sieht die bisher unveröffentlichte Lizenz unter anderem vor, dass werktags von 6 bis 20 Uhr ganze 40 Prozent der Sendezeit gesprochen werden muss, statt Musik zu senden. Doch ob da einfach nur ein Moderator plappert oder teure Berichte und Reportagen laufen müssen, lässt die MABB in ihrem Frequenz-Bescheid weitgehend offen.

Rechtsschutz beantragt

Ob Oldiestar wie von der MABB geplant von Dezember an die neuen Frequenzen wird bespielen können, ist indes unklar. Gülzows Anwalt hat immerhin einen “vorläufigen Rechtsschutz” beantragt. Der soll dafür sorgen, dass Paradiso so lange weitersenden darf, bis die Richter darüber geurteilt haben, ob das Aus für den einst von der evangelischen Kirche angeschobenen Sender in Ordnung geht.

Die Klage gegen die MABB-Entscheidung dreht sich um drei Punkte. Gülzow will beweisen, dass Paradiso mehr Information sendet als die Medienanstalt glaubt. Er weist zudem den Vorwurf von sich, mehrfach von der MABB vor einem Lizenzentzug gewarnt worden zu sein. Nicht zuletzt will er klären lassen, was christliche Inhalte eigentlich sind und wer das entscheidet.

Während Paradiso 1997 mit vielen theologischen Sendungen am Tag an den Start ging, kommerzialisierte Gülzow das Programm rasch. Nach seiner Logik verpackt der Sender seitdem die christliche Botschaft mit einer populären Machart, um die zu erreichen, die noch gar nicht in Kirchenkreisen verkehren, dafür aber Potenzial haben.

Neben der Berliner Frequenz von Jazz Radio hat die MABB zudem drei für Brandenburg ausgeschrieben, auf die sich Gülzow nicht bewerben will. Eine davon ist derzeit gar nicht belegt, die anderen beiden vom RBB, der dort den Radio-Multikulti-Nachfolger Funkhaus Europa ausstrahlt. Weil das aber in Brandenburg nicht gehört werde, wolle sich die finanziell angeschlagene ARD-Anstalt gerne die “mehreren hunderttausend Euro” sparen, die eine Bespielung der beiden UKW-Posten koste, sagte ein Sprecher.

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Neue Sendelizenz könnte Radio Paradiso retten

Verbreitet vom

am 23. Juli 2010

Der christliche Sender Radio Paradiso schöpft nach dem Entzug seiner Sendelizenz neue Hoffnung. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat vier UKW-Frequenzen ausgeschrieben, drei davon in Brandenburg und eine für das Stadtgebiet Berlin. “Wir prüfen derzeit, ob wir uns auf die Berliner Frequenz bewerben”, sagte der Geschäftsführer des Senders, Matthias Gülzow, am Freitag dem epd. Die übrigen Frequenzen seien für ihn “zunächst nicht interessant”.

Der Medienrat der MABB hatte im Mai beschlossen, die bisher von Radio Paradiso genutzten UKW-Frequenzen in Berlin und Brandenburg ab Dezember an den Sender Oldiestar zu vergeben. Zur Begründung hieß es, der Medienrat habe den Sender mehrfach auf Defizite im Programm hingewiesen. So habe es unter anderem an theologischen Beiträgen gemangelt.

Gülzow hatte bereits rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der MABB angekündigt. Am Freitag sei nun die Klage gegen den Lizenzentzug beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht worden. “Wir haben zudem vorläufigen Rechtsschutz beantragt, um die Frequenzen so lange weiter nutzen zu können, bis die Gerichte entschieden haben”, sagte Gülzow.

Paradiso und andere Programmveranstalter haben bis zum 25. August Zeit, sich auf die neu ausgeschriebenen Frequenzen zu bewerben. Mit der Ausschreibung der Berliner Frequenz 101,9 MHz sucht die Medienanstalt einen Nachfolger für das Berliner Jazz Radio. Der Sender gehört wie Paradiso zum Verbund “Radiohaus Berlin”, den Gülzow leitet. Das Jazz Radio hat Insolvenz angemeldet und ist nach Einschätzung des Insolvenzverwalters nicht mehr zu retten, wie Gülzow dem epd sagte.

Eine der drei ausgeschriebenen Brandenburger Frequenzen wird aktuell gar nicht genutzt, zwei davon hat derzeit noch der WDR-Sender Funkhaus Europa belegt, der im Sendegebiet des RBB das eingestellte Radio Multikulti ersetzt. RBB-Sprecher Ralph Kotsch sagte: “Wir werden uns darauf nicht erneut bewerben.” Die jüngste Media-Analyse habe ergeben, dass in Brandenburg lediglich 0,1 Prozent der Hörer Funkhaus Europa einschalteten.

Radio Paradiso ging 1997 auf Sendung. Hauptgesellschafter sind die Evangelische Darlehnsgenossenschaft und das Berliner Immanuel-Krankenhaus. Die EKD Media, die ebenfalls Anteile hält, gehört zu 60 Prozent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zu 40 Prozent dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Das GEP trägt unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).

Sprachlos über Maßlosigkeit

Zwischen FAZ und ARD ist ein Streit entbrannt über die Drei-Stufen-Tests für öffentlich-rechtliche Internetseiten.

Veröffentlicht in

am 23. Juli 2010

Die Frage, wie sehr ARD und ZDF im Internet mit privaten Angeboten konkurrieren dürfen, erhitzt die Gemüter. RTL-Lobbyist Tobias Schmid räumte jetzt ein, ein “administratives Monster” mit angeschoben zu haben, das “weder wir noch ARD und ZDF haben wollten”. Ein sehr überraschendes Eingeständnis und zugleich ein Angriff auf die Politik. Die hat den Gremien der öffentlich-rechtlichen Sender die Drei-Stufen-Tests vorgeschrieben.

Diese umstrittenen Prüfverfahren sollen klären, ob die Webseiten und Digitalsender der gebührenfinanzierten Programme RTL & Co. zu sehr zu schaffen machen - und sie schlimmstenfalls stoppen. Schmid aber kritisierte am Mittwochabend beim jährlichen Presse-Dinner seines Privatsenderverbandes VPRT, die kürzlich abgeschlossenen knapp 50 Drei-Stufen-Tests für alle bestehenden Portale seien “auf dem mittleren Abstraktionsniveau” zurückgeblieben.

Gremien schreiten selten ein

Schmid, als rhetorisches Wunderkind für die Privatsender ein Goldschatz, kritisierte, was tatsächlich im Argen liegt. Denn die Gremien - besetzt mit Funktionären aus Politik, Kirchen und Verbänden aller Art - prüfen zwar, ob sich ARD und ZDF an ihre neuen gesetzlichen Vorgaben aus dem Jahr 2009 halten. Befremdlich selten aber schreiten sie ein, wenn sich die Sender nicht ausreichend selbst einschränken.

Das aber ist bisweilen durchaus nötig, sagen sie bei den Privaten. Schmid etwa bemängelte, das Portal boerse.ard.de hebele “den neuen Grundsatz aus, dass ARD und ZDF keine Ratgeberarchive im Internet mehr betreiben dürfen”. Er hielt sich dabei daran fest, dass Gebührenfinanziertes nur noch mit Blick auf konkrete TV- und Radioformate ins Netz darf. Bisher durften die öffentlich-rechtlichen Programme online fast alles.

Die Privaten wollen, dass die Gremien die von den Sendern vorgelegten Konzepte nicht einfach durchwinken. “Die Politik hatte vor zwei Jahren nicht den Mut, zu entscheiden, was ARD und ZDF dürfen und was nicht”, sagte Schmid. Die Ministerpräsidenten, die für die Spielregeln der Sender zuständig sind, hätten die mit Gebühren bezahlten Häuser stattdessen “in eine Selbstbeschäftigung gestürzt”. “Wir tragen Mitschuld an einem Monster, dessen Verfahren im Ergebnis sinnlos ist.” Ein Vorwurf, der nicht ausschließlich auf die Gremien von ARD und ZDF zielt.

Doch anders als die Zeitungsverleger mit ihrem Verband BDZV wollen die Privatsender “nicht in eine Generalkritik eintreten, sondern pointiert gegen einzelne Angebote vorgehen. Und VPRT-Präsident Jürgen Doetz stellte in Aussicht, anders als erwartet nicht die EU-Kommission mit einer Beschwerde gegen die Grundsätze der Drei-Stufen-Tests zu belästigen: “Wir haben da so unsere Erfahrungen gemacht.”

Spannend ist, dass sich eine ganz andere Front auftut. Doetz nämlich kritisierte, dass der Verlegerverband noch immer pauschal mit Brüssel drohe, statt in Sachdiskussionen einzusteigen. “Es hilft nicht, wenn wir der gemeinsamen Sache zum Trotz in unterschiedliche Richtungen schießen”, sagte Doetz, der auch nörgelte, sein Verband sei für die Verleger “als Kampfmaschine beliebt”. Abseits dieses Schauplatzes aber würden die Verleger - die immerhin einst den Privatfunk mit initiierten - “lieber mit dem Qualitätsjournalismus von ARD und ZDF kuscheln statt mit uns”.

Ende der freien Presse

Das aber stimmt nicht immer. Die FAZ konterte ein ARD-freundliches Gutachten des früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, der multimediale Onlineauftritte dem Rundfunk zuordnete, am Dienstag mit einem Leitartikel. Dort warf die Zeitung der ARD vor, “nichts anderes als einen totalen Machtanspruch, das Ende der freien Presse und die Herrschaft des Staatsjournalismus” zu verkünden.

ARD-Chef Peter Boudgoust reagierte mit einem erbosten offenen Brief an Herausgeber Frank Schirrmacher. In dem zweiseitigen Schreiben hält er der Zeitung vor, “geschichtsvergessen und maßlos” zu sein. Boudgoust sei gar “sprachlos” ob dieser “einer seriösen Zeitung unwürdigen” Berichterstattung, schrieb er. Das Gerangel darum, was ARD und ZDF im Netz dürfen, geht damit weiter: Schirrmachers Sekretariat stellte auf Anfrage eine Antwort auf Boudgoust Zeilen in Aussicht.

» zum Originaltext auf berliner-zeitung.de

Privatsender verzichten auf Generalkritik an ARD und ZDF

Verbreitet vom

am 22. Juli 2010

Die privaten Fernseh- und Radiosender wollen in Zukunft
nicht mehr im großen Stil gegen die Onlineaktivitäten von ARD und ZDF
vorgehen. “Wir werden nicht in eine Generalkritik eintreten, sondern
pointiert gegen einzelne Angebote vorgehen”, sagte der
medienpolitische Sprecher der deutschen RTL-Gruppe, Tobias Schmid, am
Mittwochabend in Berlin auf einer Veranstaltung des
Privatsenderverbandes VPRT.

VPRT-Präsident Jürgen Doetz erklärte, es sei nicht geplant, zu den
erst vor einem Jahr in Deutschland eingeführten Prüfverfahren für die
digitalen Angebote der gebührenfinanzierten Sender, den sogenannten
Drei-Stufen-Tests, die EU-Kommission anzurufen. Am Dienstag hatte der
Zeitungsverlegerverband BDZV mit einem Gang nach Brüssel gedroht,
weil sich ARD und ZDF aus Sicht des Verbandes noch immer zu stark im
Internet engagieren.

RTL-Lobbyist Schmid nannte namentlich das Angebot der Seite
“boerse.ard.de”, das aus seiner Sicht “großes Potenzial” für
rechtliche Schritte biete. Schmid räumte ein, dass mit der von
Privatsendern und Verlagen angestoßenen Einführung der
Drei-Stufen-Tests ein “administratives Monster” geschaffen worden
sei, das “weder wir noch ARD und ZDF haben wollten”.

Die Gremien der ARD hatten in dieser Woche den Abschluss der
Prüfungen bestehender Webseiten bekanntgegeben und berichtet, dass
die Rundfunkräte dafür etwa 300 Sitzungen benötigt hätten. “Die
Verfahren blieben dennoch auf dem mittleren Abstraktionsniveau”,
sagte Schmid.

Von der Politik erwarten die Privatsender laut VPRT-Präsident
Doetz, die Medienregulierung rasch zu überarbeiten. Dabei solle
berücksichtigt werden, dass inzwischen auch Telekommunikations- und
Internetkonzerne in den Rundfunk eingriffen. “Die neue Medienwelt
erfordert eine neue Medienregulierung”, sagte Doetz.

Die Privatsender in Deutschland rechnen unterdessen nach der Krise
mit einer leichten Erholung. So geht der VPRT nach einer Umfrage
unter seinen Mitgliedern davon aus, dass die Netto-Werbeumsätze im
Fernsehen 2010 im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent auf 3,52
Milliarden Euro steigen. Bei der Radiowerbung erwartet der Verband
ein Plus von 2,3 Prozent auf 506 Millionen. Für den Bereich des
Bezahlfernsehens rechnet der VPRT über alle Plattformen hinweg mit
einem Zuwachs von 5,4 Prozent und für den Teleshoppingbereich mit
einem Umsatzzuwachs von rund zehn Prozent. Doetz sprach von einer
“erfreulichen Entwicklung auf verhaltenem Niveau”, da die
Steigerungsraten weiter unter denen der Spitzenjahre blieben: “Die
Luft ist etwas dünn”.

Verleger in Verlegenheit

Nicht alle Rundfunkräte winken Depublikation durch.

Veröffentlicht in

am 22. Juli 2010

Das hatten sich Verleger und Privatsender sicher anders vorgestellt. Auf den Druck ihrer Lobbyisten hin hat die Medienpolitik für die Webseiten von ARD und ZDF irre aufwendige Prüfungen in die Gesetze geschrieben. Seit Monaten schon durchlaufen die Portale von tagesschau.de über sport.zdf.de bis hin zu kikaninchen.de deshalb Monsterverfahren wie den Dreistufentest (eine präzise Erklärung würde die ganze Seite füllen).

Derzeit deaktivieren also ARD und ZDF große Teile ihrer Netzinhalte. Im Zuge dieser Depublikation verschwinden etwa von der Seite der “Tagesschau” gut 80 Prozent und von der der Sportredaktion des ZDF sogar 92 Prozent der Einträge. Da sitzen also gebührenfinanzierte Mitarbeiter, um im Web zu killen, was mit Gebühren bezahlt wurde.

Das Problem dabei ist aber, dass dieser Schuss teils nach hinten losgeht. Die Kontrollgremien der Sender, in denen neben Politikern Gewerkschafter und Kirchen- wie Verbandsfunktionäre sitzen, winken die mächtige Depublikation, die sich die Sender in umfangreichen Konzepten selbst auferlegen mussten, nicht immer einfach nur durch. Weil sich die Rundfunkräte erstmals auch intensiv mit der Frage beschäftigen, wie ARD und ZDF online, verglichen mit den Privaten, dastehen, sorgen sie dafür, dass nicht nur eingestampft, sondern teils sogar aufgebaut wird.

So stellte der SWR-Rundfunkrat, der das Portal ARD.de geprüft hat, fest: Die Seite hat ja nur einen Marktanteil von 0,2 Prozent, wird also gefühlt überhaupt nicht wahrgenommen. Nun soll die Redaktion von ARD.de wachsen - ihr Budget dafür von mageren 2,2 auf immerhin 3,5 Millionen Euro pro Jahr.

Viel zu viel? Keine Sorge, denn die Verleger werden auch das nicht einfach hinnehmen. Ihr oft unsäglich agitierender Verband BDZV sagte bereits zu den aus ihrer Sicht von den Gremien bloß “abgenickten” Prüfungen der Depublikationskonzepte: “Das wird wieder ein Thema für Brüssel.”

» zum Originaltext auf taz.de

Was vom Netz übrig bleibt

ARD und ZDF löschen massenhaft Inhalte von ihren Internetseiten - weil sie es müssen.

Veröffentlicht in

am 21. Juli 2010

Im Prinzip ist ja alles ganz einfach. Bei der ARD und im ZDF sitzen mit Gebühren finanzierte Mitarbeiter, um gebührenfinanzierte Inhalte wieder massenhaft aus dem Netz zu schmeißen. So verschwinden etwa 80 Prozent aller Einträge auf der Internetseite der “Tagesschau”. Aus der Online-Präsenz des Politmagazins “Report Mainz” killen sie immerhin jede zweite Seite. Und die Sportredaktion des ZDF erlebt gerade, wie von ihren Webseiten kaum noch etwas übrig bleibt: Von sport.zdf.de verschwinden 19 748 Einträge. Das sind 92 Prozent.

Das Prinzip hat sogar einen Namen: Depublikation nennen sie es in den Sendern, wenn sie einmal publizierte Inhalte von ihren Seiten nehmen. Ein Prinzip, das bei den Nutzern heftiges Kopfschütteln auslösen dürfte, widerspricht es doch komplett der Gewohnheit, dass im Netz alles für immer bleibt - auch das, was im Fernsehen und Radio gelaufen ist.

Diese Depublikation geschieht vor allem, weil sich Privatsender und Verlage gegen eine “digitale Expansion” von ARD und ZDF gewehrt haben, die zu ihren Lasten gehen würde. Die Medienpolitik, die in Deutschland bei den Ländern liegt, hat dafür in der 12. Novelle ihres Rundfunkstaatsvertrags im vergangenen Jahr festgelegt, was ARD und ZDF im Netz nicht mehr verbreiten dürfen - etwa Gewinnspiele, Archive zu Koch- und Gesundheitstipps und alles, was nichts mit konkreten Sendungen zu tun hat.

Die Sender wiederum haben sogenannte Telemedienkonzepte erstellt. Die regeln, was wie lange auf ihre Seiten darf: Unterhaltung meist etwa nur sieben Tage, Sport oft nur einen und Information häufig immerhin für ein Jahr. Nur wenig darf für immer im Netz bleiben.

Alles offline

Wer sich in den Sender umhört, stößt naturgemäß auf wenig Gegenliebe zu diesem Vorgang. Der NDR etwa weist darauf hin, dass von der umfangreichen Berichterstattung des Senders über den Verkauf von Hapag-Lloyd oder Unregelmäßigkeiten bei Unicef im Netz “kaum noch Spuren übrig geblieben” seien. Auch Meldungen zum Rücktritt des schleswig-holsteinischen Innenministers Ralf Stegner oder die Folgen des Jahrhundertsturms “Kyrill” seien “offline gegangen”.

Das größte Problem: Das Internet lebt davon, dass eine Seite auf die andere verweist. Die Web-Enzyklopädie Wikipedia ist dafür das beste Beispiel, weil die Glaubwürdigkeit ihrer Einträge nicht an einer etablierten Medienmarke hängt. Sie basiert vielmehr darauf, dass die Nutzer ihre Einträge mit Links unterfüttern, Quellen belegen. Der Eintrag zum Millionen-Betrug beim Geldtransporteur Heros und auch der Ehrenmord an der 16-jährigen Deutsch-Afghanin Morsal in Hamburg stützen sich auf Inhalte von NDR-Online. “Diese Links führen aber mittlerweile ins Leere”, bedauert NDR-Sprecher Martin Gartzke.

Die Depublikation lief an, kontrolliert von den Gremien der Sender, die den Konzeptwust der Internetangebote durch ihr neues Instrument, den sogenannten Drei-Stufen-Test, jagen mussten. Das ist ein sehr kompliziertes Verfahren, das letztlich die private Konkurrenz vor einer digitalen Übermacht der gebührenfinanzierten Angebote schützen soll - auch mithilfe von externen Gutachten.

37 ARD-Angebote

“Die haben gezeigt, dass keines der vorhandenen ARD-Angebote zu erheblichen Marktstörungen führt”, fasste am Dienstag der Vorsitzende des Telemedienausschusses, Bernd Lenze, die Prüfung der 37 bestehenden ARD-Angebote zusammen. Diese Prüfung ist jetzt abgeschlossen. Die Staatskanzleien der Länder müssen noch ihr Okay geben, das aber erwartet wird.

Im Auftrag der ARD-Gremien, die für die Prüfverfahren auf gut 300 Sitzungen im vergangenen Jahr kamen, hat der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, ein Gutachten erstellt. Er zählt Webseiten zum Kern der öffentlich-rechtlichen Grundversorgung. Eine Stütze für die Sender, die gerade zweierlei ausbaden müssen: Zum einen, dass sie einst hemmungslos eigene Auftritte im Internet aufgezogen haben. Und zum anderen, dass die Politik zu allem Unnütz lange versäumt hat, Grenzen zu setzen.

Den privaten Medienunternehmen reicht das Ergebnis allerdings noch nicht. Dietmar Wolff, der Chef des Zeitungsverlegerverbandes BDZV, sprach am Dienstag etwa davon, die Rundfunkräte hätten die Online-Auftritte “einfach abgeknickt”. So geht der nicht enden wollende Kampf zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Medien weiter. Denn auch der ARD-Chef Peter Boudgoust schoss wieder zurück: “Der BDZV scheint davon auszugehen, dass ihm die alleinige Deutungshoheit bei der Auslegung von Staatsvertrag und Verfassung zukommt.”

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Zuflucht aus Papier

In Berlin versuchen Journalisten ein Asyl für verfolgte KollegInnen im Ausland einzurichten. Doch das Projekt kommt nicht voran, weil trotz Spenden Geld fehlt.

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am 21. Juli 2010

Als die 26-jährige Maria Isabel Gámez in El Salvador über den Kampf gegen arg fragwürdige Bergbauprojekte berichtete, erhielt sie dafür prompt die Quittung: Morddrohungen. Derzeit lebt sie deshalb an der Elbe. Martina Bäuerles Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte hat sie nach Deutschland geholt, raus aus der Gefahrenzone.

Auch in Berlin schicken sich zwei an, bedrohte Kollegen aus dem Ausland in Sicherheit zu bringen. Cordula Echterhoff und Andree Thorwarth - beide machen Fernsehen - planen schon seit Jahren, hier ein “Haus der Journalisten” einzurichten. Das Problem: bisher ohne Erfolg.

Echterhoff sagte der taz: “Unser bisher angestrebtes Modell, für Zimmer Paten zu finden, gestaltet sich immer noch als schwierig.”

Anfangs hätten sie geglaubt, genug Geld für ihre Idee aus dem Medienbetrieb einwerben zu können. Geklappt hat das aber nur bedingt. Förderer wie Talklady Sandra Maischberger und TV-Produzent Friedrich Küppersbusch, für den Echterhoff und Thorwarth arbeiten, hätten immerhin erste Dinge finanziert. Eine “Machbarkeitsstudie” sei da - und die Zusage des Berliner Senats, bei Fragen des Asylrechts zu helfen. Viel Papier - keine Taten. Und nun?

“Wir haben uns entschieden, uns von unserem ersten Konzept zu verabschieden, die Spenden ausschließlich bei den Medien zu akquirieren”, so Echterhoff. Eine späte Erkenntnis. Die Hamburger Stiftung arbeitet schon seit 24 Jahren so.

Bäuerles Institution nimmt jährlich zehn Hilfesuchende auf. Die meisten von ihnen - gut einhundert bisher - seien Reporter, weil das “die exponiertesten unter den Verfolgten” seien. Sie kommen in fünf Wohnungen unter, verteilt auf die Stadt. Allein vier dieser Stipendien zahlt das Land. Anders, sagt Bäuerle, sei das kaum zu machen. “Das andere Geld sind Spenden, vieles davon aber eine Masse an Kleckerbeträgen von Lieschen Müller.”

Wenn es darum geht, verfolgte Journalisten unterzubringen, ist Bäuerle in Deutschland eine Institution. Die deutsche Sektion der Reporter ohne Grenzen (ROG) verweist viele Hilfesuchende an sie. Mit Bäuerle aber haben die beiden Berliner bislang nicht das Gespräch gesucht. “Ich stehe mit meiner Erfahrung bereit”, sagt die Hamburgerin. “Und Deutschland braucht mehr Plätze.”

Das sieht auch Christian Rickerts so, der Geschäftsführer von ROG. “Wir müssen seit einigen Jahren mit einer steigenden Zahl von Journalisten auf der Flucht umgehen”, berichtet er. 2008 wurde sein Verein noch als “einer der wichtigsten Partner” des Berliner Projekts benannt. Heute sagt der Geschäftsführer, die Initiative sei in einem “zu frühen Stadium für eine konkrete Zusammenarbeit oder Partnerschaft”.

Auch bei ROG bedauern sie, dass aus der Idee bis heute nichts geworden ist - im Gegensatz zum Maison des journalistes in Paris, das sehr erfolgreich arbeitet. Geld, um das Haus der Journalisten in der Bundeshauptstadt anzuschieben, rückt der Verein aber nicht heraus. Rickerts: “Wir würden das sehr gerne tun - haben dafür aber leider derzeit nicht die notwendigen Mittel.”

So sind Echterhoff und Thorwarth weitgehend auf sich gestellt. Auch namhafte “Unterstützer” wie Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) und der Ex-SWR-Intendant Peter Voß helfen da offensichtlich nicht.

Die Initiatoren schöpfen dennoch “Mut für die Zukunft”, wie sie sagen, denn eben haben deutsche Reporter zum zweiten Mal ihr Preisgeld für eine Journalisten-Auszeichnung an das Projekt gespendet, iranische Kollegen taten dasselbe. Doch: “Das Geld ruht”, wie Echterhoff sagt. Und der Durchbruch lässt weiter auf sich warten.

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Bundeskartellamt: Fusion von ddp und AP nicht anmeldepflichtig

Verbreitet vom

am 20. Juli 2010

Der für September geplante Start der dapd-Nachrichtenagentur hat eine wichtige Hürde genommen: Das Bundeskartellamt wird sich nicht gegen die Übernahme des deutschen Dienstes der Associated Press (AP) durch den Deutschen Depeschendienst (ddp) sperren. Das sagte am Dienstag ein Sprecher der Bonner Behörde dem epd.

Im Dezember 2009 hatten die ddp-Privateigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke den deutschen Ableger der international operierenden AP übernommen, dies aber nicht der Fusionskontrolle gemeldet. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hatte dies bemängelt und beim Kartellamt eine Prüfung angemeldet.

Vorderwülbecke und Löw wollen den Marktführer dpa nach eigener Aussage “verzichtbar” machen und dafür im Spätsommer aus ihren bislang streng getrennt geführten Diensten ein gemeinsames Angebot schnüren. Ein Anwalt der dpa hatte angemahnt, dass der Zusammenschluss die Zahl der Wettbewerber bei Nachrichtenagenturen erheblich reduziere und so “erkennbar die Angebotsvielfalt im Bereich der Presse berührt”.

Wie Behördensprecher Kay Weidner dem epd sagte, habe die Prüfung nun ergeben, dass der Zukauf des deutschen AP-Dienstes durch die ddp-Eigentümer anders als von der dpa vermutet nicht der Anmeldepflicht unterlag. “Dafür war der Umsatz der geprüften Agenturen zu niedrig”, erklärte Weidner.

Das im April eingeleitete sogenannte Entflechtungsverfahren ist nach Angaben Weidners gestoppt. Ihre Entscheidung teilte die Behörde dem ddp bereits am vergangenen Dienstag mit. In dem Schreiben, das dem epd vorliegt, notierten die Prüfer, es würden “die formellen Voraussetzungen einer Entflechtung (…) nicht vorliegen”. ddp-Sprecher Wolfgang Zehrt sprach von einer “klaren Entscheidung für die Medien- und Angebotsvielfalt”.

Kartellamt winkt AP-Kauf durch

Veröffentlicht auf

am 20. Juli 2010

Martin Vorderwülbecke kann durchatmen: Das Bundeskartellamt hat das erst in diesem Frühjahr eingeleitete Entflechtungsverfahren für die Übernahme des deutschen Dienstes der Associated Press (AP) durch die ddp-Holding des Privatinvestors gestoppt. Damit steht der für September geplanten inhaltlichen Fusion des einstigen AP-Dienstes mit dem Angebot des Deutschen Depeschendienstes (ddp) zur neuen dapd-Nachrichtenagentur nichts mehr im Weg.

In vier knappen Zeilen, die MEEDIA vorliegen, teilte die Behörde dem News-Lieferanten von Vorderwülbecke und dessen Kompagnon Peter Löw mit, die “Prüfung des Zusammenschlusses im Entflechtungsverfahren gemäß § 41 GWB” in der Sache B 6 - 48/10 (Deutscher Depeschendienst GmbH/Associated Press GmbH) habe ihr Ende gefunden - ohne Konsequenzen. Wörtlich hieß es, dass “die formellen Voraussetzungen einer Entflechtung (…) nicht vorliegen”. Mit anderen Worten: Die Marktmacht von ddp und AP ist auch in der Summe nicht so groß, dass dadurch der Wettbewerb gefährdet ist.

Das Verfahren angestrengt hatte in diesem Frühjahr mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) der ddp-Hauptkonkurrent höchstpersönlich. Die dpa hatte sich dabei auf ihren Düsseldorfer Anwalt Thorsten Mäger berufen. Seiner Ansicht nach reduziere der Zusammenschluss AP/ddp vom Dezember 2009 “die Zahl der Wettbewerber bei Nachrichtenagenturen in Deutschland erheblich”. Damit sei “erkennbar die Angebotsvielfalt im Bereich der Presse” berührt. Mäger habe im dpa-Auftrag dem Kartellamt außerdem mitgeteilt, “dass wir sowohl im Fall, dass das Zusammenschlussvorhaben beim Bundeskartellamt noch angemeldet werden oder das Bundeskartellamt von Amts wegen ein Entflechtungsverfahren einleiten sollte, beigeladen werden möchten”.

Das Amt hatte daraufhin dpa und alle anderen Agenturen mit einem vierseitigen Fragebogen in die Prüfung eingebunden, in dem sie die Marktlage einschätzen und ihre Beziehungen zu AP/ddp benennen sollten.

Kay Weidner, der Sprecher des Kartellamtes, sagte MEEDIA auf Anfrage, der Zusammenschluss von ddp und AP-Deutschland sei nicht anmeldepflichtig gewesen - dafür sei der Gesamtumsatz der beiden Agenturen nicht hoch genug. Der Kauf von AP-Deutschland durch die ddp-Mediaholding von Löw und Vorderwülbecke werde deshalb nicht weiter geprüft. Damit seien auch mögliche Auflagen, wie ein Verbot weiterer Zukäufe, vom Tisch. Dazu könne es gar nicht kommen, weil diese Agenturen die Kriterien für eine Prüfung durch das Kartellamt gar nicht erfüllten, so Weidner.

Das juristische Geplänkel auf dem Markt der Nachrichtenagenturen geht unterdessen weiter. Noch immer sind in Berlin und Frankfurt Verfahren von dpa und ddp anhängig. Der Marktführer klagt etwa vor dem Berliner Landgericht auf Unterlassung: Der ddp dürfe unter anderem nicht wiederholen, der Marktführer setze “sittenwidrige” Verträge ein. Der ddp wiederum hat beim Landgericht Frankfurt am Main eine Klage eingereicht, weil er der Überzeugung sei, die dpa verzerre mit langen Laufzeiten und ebenfalls langen Kündigungsfristen samt stillschweigenden Vertragsverlängerungen den Wettbewerb. Der ddp fordert dabei sogar Schadenersatz.

Vorderwülbeckes Ex-AP-Deutschland und ddp sollen bekanntlich im September zum Angriff auf die dpa blasen. Cord Dreyer, der derzeit Chefredakteur und Geschäftsführer beider Dienste in Personalunion ist, will dann unter der Marke “dapd-Nachrichtenagentur” einen gemeinsamen Basisdienst aus den beiden Häusern anbieten, die bisher streng getrennt von einander gefahren wurden. Dann sollen die Stärken des ehemaligen AP-Deutschland (Auslandsberichte, die sich überwiegend auf lizenzierte Meldungen des internationalen AP-Dienstes stützen) und ddp (betreibt Landesdienste in Deutschland) ergänzen.

» zum Originaltext auf meedia.de

Bild: 2,3 Millionen Euro für Leserreporter

Veröffentlicht bei

am 18. Juli 2010

Bei aller Kritik ein großer Erfolg: Die Leser der Bild-Zeitung haben der Redaktion in vier Jahren eine beeindruckende Menge von knapp 686.000 Fotos geliefert. Bild hat wiederum etwa zwei aus 100 in die eigenen Ausgaben gehoben. Und weil das Boulevardblatt seinen Lesern dafür 100 bis 500 Euro verspricht, hat das Team um Chefredakteur Kai Diekmann den Leserreportern viel Geld überweisen müssen: mehr als zwei Millionen Euro.

Was für eine Häme sich im Jahr 2006 noch über Deutschlands mächtigste Boulevardzeitung ergoss. Damals begann Bild damit, Leser aufzurufen, der Redaktion Schnappschüsse zu liefern - und lockte im Gegenzug mit Geld. Millionen Bild-Konsumenten sollten so zugleich Leserreporter werden, der Redaktion damit kein Augenzucken in der Republik mehr entgehen. Der Spiegel sprach abfällig von “Hobby-Knipsern, Pseudo-Journalisten, Unfall-Gaffern und Feierabend-Spannern”. Die FAZ warnte gar vor einer “flächendeckenden Paparazzisierung der Gesellschaft”. Sogar der dpa-Betriebsrat muckte auf. Ihr damaliger Chefredakteur Wilm Herlyn schickte der Bild selbst ein Foto - und sorgte so dafür, dass Ex-RTL-Moderator Heiner Bremer sich im Blatt nur in Badehose gekleidet wiederfand.

Das Projekt, das meist kurz und knapp bloß nach der Handy-Kurzwahlnummer der Bild “1414″ genannt wird, musste viel Spott ertragen. Es ist aber auch ein großer Erfolg - für Bild, aber auch für die Leserreporter. Wie ein Sprecher des Axel-Springer-Verlages MEEDIA auf Anfrage mitteilte, liefen seit dem Start der Aktion im Jahr 2006 bis dato nämlich schier unfassbare 685.595 Fotos in der Redaktion der Bild ein, von denen 13.514 ins Blatt wanderten, also immerhin etwa zwei aus einhundert Bildern.

Wie sehr das die Berichte der Bild mitunter nach vorne bringen kann, zeigte sich erst vor wenigen Tagen. Nachdem in mehreren ICE-Zügen ausgerechnet bei brütender Hitze die Klimaanlagen ausfielen, titelte Bild “Bahn-Chaos: Alles noch viel schlimmer!” und notierte prominent auf der Seite eins: “BILD-Leserreporter berichten aus Hitze-Zügen”. Zu sehen waren völlig ausgelaugte zwei- und dreijährige Bahnfahrer, markiert mit dem Dauerlogo “BILD-Leserreporter 1414″. Ein Hingucker und Werbung für das Projekt zugleich.

Für die Veröffentlichungen der Leserreporter-Schnappschüsse zahlt Bild seit Beginn des Projekts ein Honorar. 100 Euro fallen für Aufnahmen an, die auf den Regionalseiten der Zeitung erscheinen - 500 Euro, wenn ein Foto bundesweit mitläuft. Die Summe der Überweisungen an die Bild-Leserreporter: Bis Mitte Juli dieses Jahres belief sie sich bereits auf 2.330.431 Euro. Nur der Einsatz auf bild.de ist für die Bild-Redaktion honorarfrei und damit keine Einnahmequelle für “1414″-Lieferanten.

» zum Originaltext auf meedia.de