Die zwei Seelen in Michelsens Brust

EKD-Ratsvize gibt Redaktionsleitung im NDR ab - viel zu spät.

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am 5. März 2010

Fast fünf Monate schlummerte im NDR ein starker Interessenkonflikt, der erst jetzt aus dem Weg geräumt wurde: Uwe Michelsen war nicht nur Chef der Redaktion “Religion und Kirche”, sondern auch Teil des obersten Leitungsgremiums der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem EKD-Rat.

Weil sich diese Doppelrolle nicht mit dem Grundsatz der Unabhängigkeit im Journalismus vertrug, sollen Redakteure des Senders interveniert haben. Doch nichts geschah. Michelsen verordnete sich in dieser Zeit lediglich eine “absolute Totalabstinenz” zu EKD-Themen, wie er sich vom Evangelischen Pressedienst zitieren ließ. Erklären, wie er trotz der massiven Präsenz der eigenen Glaubensgemeinschaft im Sendegebiet den Job als Redaktionsleiter für Religionsthemen ausfüllen konnte, wollte er indes nicht: Eine entsprechende Anfrage ließ Michelsen unbeantwortet.

Nach dem Rücktritt von Margot Käßmann vom Amt der EKD-Ratsvorsitzenden, rückte ihr Vize Nikolaus Schneider auf, während Michelsen wiederum seit vergangenem Sonnabend Stellvertretender Chef der protestantischen Exekutive ist. Damit hat erstmals in der Geschichte der EKD ein Journalist den stellvertretenden Vorsitz im Rat übernommen.

Im NDR ging es daraufhin wieder heiß her, wie auch in der Programmdirektion des Senders. Zusammen mit Michelsen beschloss die NDR-Führung, dass er seinen Posten als Chef der Redaktion “Religion und Kirche” aufgeben werde. Er selbst sagt, er habe sich keine bessere Lösung vorstellen können. Und ein Sprecher des NDR sagt, dass der Kirchenfunktionär nun seinen Posten räumen muss, sei in absolutem Einvernehmen mit dem Betroffenen entschieden worden. Er werde künftig nicht mehr mit Kirchenthemen in Kontakt kommen und stattdessen in der Abteilung “Dokumentation und Reportage” tätig sein.

Früher wäre besser gewesen

Kritiker im Sender sagen, das hätte schon im Oktober geschehen müssen - oder viel besser noch früher. Immerhin leitete er auch die Arbeitsgruppe “Öffentlichkeitsarbeit” der Nordkirche mit. Vor zehn Jahren zitierte ihn bereits das Hamburger Abendblatt als Vorsitzenden des Medienausschusses der damaligen Nordelbischen Kirche. Michelsen forderte damals, die “auf Kommunikation ausgerichtete Kirche” müsse ihre Botschaft mit Hilfe des Internets verbreiten. Er war also schon zu dieser Zeit PR-Mann seiner Glaubensgemeinschaft und NDR-Kirchenberichterstatter in Personalunion.

Ungewöhnlich ist das alles freilich nicht. In den Sendern kollidieren immer wieder die Interessen der Redakteure mit ihren Arbeitsgebieten. So interviewt etwa ein Journalist des Bayerischen Rundfunks Top-Funktionäre des Deutschen Skiverbandes - steht aber zugleich seinem regionalen Skiverband vor. Und fast schon legendär ist der Fall Volker Angres: Der Leiter der ZDF-Umweltredaktion versorgte die Mainzer CDU in der hitzigen Debatte um ein geplantes Kraftwerk mit Argumenten. Schon damals übrigens empörte sich Nikolaus Brender - der nie parteiisch sein wollte und auf Druck einiger CDU-Politiker Ende dieses Monats seinen Posten als ZDF-Chefredakteur räumen muss.

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SID startet mit Video-Angebot durch

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am 27. Februar 2010

Aus dem Stand heraus hat es der Sport-Informations-Dienst (SID) geschafft, einen profitablen Videodienst zu starten. Die Agentur, die bisher lediglich für Texte und Bilder bekannt war, stieg mit den nun auslaufenden Olympischen Spielen in diesen Markt ein – und lieferte prompt Sendern wie N24 und DSF zu sowie den Portalen von Spiegel, Focus, T-Online, dem Kicker und der Welt. Wie SID-Chef Michael Cremer MEEDIA bestätigte, wirft der Dienst trotz Einführungspreisen bereits Gewinn ab – eine Erfolgsgeschichte.

Cremers Lieblings-Video zeigt Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma bei ihrer Ankunft in Vancouver. Sie steht da noch im Flughafen und wird von drei Kameras umringt. ARD und ZDF sind dabei, aber unter den Mikros ist auch ein Neuling zu entdecken: der SID. Die 33-Jährige sagt, es sei “wichtig, dass ich mich auf die Spiele konzentrieren tue”. Ein Beitrag, der solide daherkommt und der auch auf vielen Onlineportalen zu sehen war. Cremer stößt nämlich mit seinem neuen Angebot auf viel Interesse.

Knapp 100 Beiträge hat SID-Images in den vergangenen Wochen aus Kanada abgesetzt - stets sowohl in der nötigen Qualität für Webportale und TV-Sender. Alle Beiträge sind zwischen zwei und drei Minuten lang. Sender können neben geschnittenen Filmen auch das Rohmaterial abrufen.

Damit das klappt, hat Cremer in einem ersten Schwung bereits gut eine Handvoll Mitarbeiter zu sogenannten Videojournalisten ausgebildet, die bisher lediglich als Textredakteure in die Tasten griffen. Sie haben gelernt, Kameras zu bedienen und ihre Aufnahmen an Laptops selbst zu schneiden und zu vertonen. Treibende Kraft war auch SID-Chefredakteur Timon Saatmann, der bis zum Jahreswechsel noch Sportchef von N24 war.

An den Olympia-Standorten Whistler und Vancouver war der SID mit drei eigenen Kamerareportern präsent. Zusätzlich nahm Saatmann ab und an die Kamera in die Hand. Außerdem tauschten die SID-Reporter ihr Material mit dem von zwei Videojournalisten der Agence France-Presse (AFP) aus. Der SID ist eine 100-prozentige Tochter der deutschen AFP GmbH und vertreibt sein Videomaterial über AFP-Server. Zusätzlich zum eigenen Material verkauft der SID auch DSF-Material (künftig Sport1) im Ausland.

Cremer sagte MEEDIA, der Dienst sei bereits profitabel - und das, obwohl die Abnehmer derzeit nur Einführungspreise bezahlen müssten. Ein Erfolg, der den Geschäftsführer beflügelt: Aus dem Testprojekt wird per sofort ein kontinuierlicher Dienst. Das nächste Großereignis, bei dem der SID starke Video-Präsenz zeigen will, steht zudem mit der Fußball-WM in Südafrika bereits in gut 100 Tagen vor der Tür. Cremer kündigte im Gespräch mit MEEDIA an, etwa 170 Videos von diesem Event zu liefern - ebenfalls in Kooperation mit dem Videodienst des AFP-Konzerns.

Für die WM rüstet Cremer weiter auf: Im März solle weiteren sechs SID-Agenturjournalisten der Umgang mit den Video-Kameras und der mobilen Schnitt-Technik beigebracht werden. Außerdem sollen noch im Februar zusätzlich zu den bisher drei Kamera-Sets des SID noch zwei weitere angeschafft werden. Künftig soll an jedem SID-Standort (Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und in der Zentrale in Neuss bei Köln) mit Equipment ausgestattete Videojournalisten sitzen, die von ihren Terminen nicht nur per Text sondern auch in Bewegtbild berichten können.

Der SID kann allerdings meist nicht direkt über Wettkämpfe im bewegten Bild reportieren, weil ihm dafür die Rechte fehlen. Er will stattdessen Trainingsberichte, das Geschehen am Rande der Spielfelder und auf Pressekonferenzen liefern sowie Interviews mit Sportlern, Trainern, Managern und Funktionären. Um dennoch das Geschehen auf den Plätzen zu zeigen, baut der SID seine eigenen Fotos in die Beiträge mit ein, die für die TV-Ausstrahlung im Einzelkauf etwa 500 Euro kosten. Der SID bietet sie jedoch auch im Paket zu individuellen Preisen an.

Stolz ist Cremer vor allem auf einen Kunden: Servus TV in Salzburg. Der Privatsender hat zusätzlich zu den Nachrichtenbeiträgen individuelle Produktionen aus Vancouver und Whistler bestellt. Dafür sprechen die SID-Reporter die Themen mit den Salzburgern ab und setzten bei den Exklusivproduktionen auch einen Servus-TV-Windschutz auf dem Mikro ein.

Der Markt für Bewegtbilder ist vor allem im Internet eng. Wirklich durchgesetzt hat sich als Content-Lieferant bisher nur Reuters, weil die Nachrichtenagentur auf umfassendes Material zurückgreifen kann, das sie ohnehin für TV-Stationen produziert. Auf dem Markt versucht sich auch die AFP. Die dpa hat ein vor wenigen Jahren gestartetes Projekt weitgehend zurückgefahren und arbeitet derzeit an einem Nachfolger. Im Sport produzieren zudem Spiegel und Kicker gemeinsam “kicker.tv”.

Außerdem stellen Bild und Welt sporadisch eigene Sport-Filme ins Netz. Die Welt-Gruppe hat derzeit mit Christian Putsch zudem einen Mitarbeiter fest in Südafrika, der nicht nur für die Blätter und den Online-Auftritt schreibt, sondern auch als Videojournalist kleine Filme dreht.

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Verschärfte Regeln

Das Online-Auktionshaus Ebay will Kunden zu seinem Bezahlsystem Paypal drängen. Das Kartellamt ermittelt.

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am 27. Februar 2010

Den mündigen Internetnutzer scheint es nicht zu geben - glaubt zumindest die Auktionsplattform Ebay. Anders lässt sich der jüngste Schritt des milliardenschweren Konzerns jedenfalls nicht erklären: Wer mal eben seinen Schallplattenspieler, sein betagtes Sofa oder seine alte wuchtige Fernseh-Röhre loswerden will, den zwingt Ebay neuerdings, den Käufern seinen eigenen Bezahldienst Paypal mindestens als Option anzubieten. Zumindest, wenn er noch kein Stammkunde ist. Warum? Weil das Unternehmen Käufer und Verkäufer vor Betrügern schützen und Vertrauen aufbauen will.

Zahlt ein Käufer sein neues Bügelbrett, den gebrauchten Videorekorder oder den Strampelanzug über Paypal, übernimmt Ebay die Haftung. Sieht der Strampler anders aus als beschrieben, platzt die Zahlung oder kommt das Paket gar nicht erst an, bekommt der geprellte Geschäftspartner sein Geld zurück. In einem Kosmos, in dem einander unbekannte Menschen handeln, will Paypal eine Art Vertrauensperson sein.

Das aber ist nur auf den ersten Blick ein selbstloser Service. Denn Ebay verdient bei Abwicklungen über seinen Dienst mit. Allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres setzte das Unternehmen mit Paypal knapp 800 Millionen US-Dollar um. Ebay-Boss John Donahoe hat den Dienst längst zum zweiten Kerngeschäft erklärt, der auch von Dritten genutzt werden kann. Wenn Ebay Privatnutzer dazu verpflichtet, den eigenen Dienstleister zu offerieren, will er dafür mindestens 1,9 Prozent des ersteigerten Kaufpreises abgreifen. Da läppern sich rasch auch Kleinstbeträge zu riesigen Summen.

Ebay kann sich dieses Diktat erlauben, weil sich im Netz monopolartige Strukturen herausbilden: Für fast jede Branche steht ein unangefochtener Marktführer - für Suchmaschinen Google, für klassisches Shopping Amazon und für Auktionen Ebay. Haben sie diesen Status erreicht, können sie die Regeln verschärfen.

Das versucht jetzt auch Ebay. Weil daran nicht jeder glaubt, regt sich Widerstand: Nutzer beschwerten sich beim Kartellamt. Das kündigte gestern an, den Vorgang zu prüfen. Vielleicht darf dann auch die Kundschaft wieder selbst entscheiden, wie sie ihre Geschäfte abwickeln will. Die Sache ist ziemlich einfach: Wer auf Sicherheit setzt und Paypal einer Direktzahlung vorzieht, der kann vermeintlich unseriösen Käufern schon jetzt aus dem Weg gehen, die sich dieser Möglichkeit verweigern.

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AFP-Präsident Louette wechselt zur France Télécom

Reformprozess der Nachrichtenagentur stockt - Neues Konzept für April angekündigt.

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am 26. Februar 2010

Der Präsident der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP), Pierre Louette, hat überraschend seinen Abschied angekündigt. Er werde zur France Télécom wechseln, teilte Louette am 24. Februar mit. Dabei deutete er einen Zusammenhang seines baldigen Abgangs mit dem umstrittenen Reformprozess des AFP-Mutterkonzerns an, der ins Stocken geraten ist.

Louette wechselt zum April dieses Jahres zum größten französischen Anbieter für Telekommunikationsdienstleistungen. Den Angaben zufolge wird er in der Konzernleitung als Generalsekretär die strategischen Entwicklungen des Unternehmens leiten. Der 47-Jährige war seit Ende 2005 Président-Directeur Géneral der weltweit operierenden Agentur, die auch in Deutschland einen Dienst betreibt. Louette bereitete zuletzt eine Reform der AFP-Zentrale in Paris vor, die von der Regierung Frankreichs initiiert wurde.

Die AFP ist per Statut aus dem Jahre 1957 öffentlich-rechtlich verfasst. Sie arbeitet unter einem gesetzlichen Auftrag. Diese Konstruktion lässt sich mit den Staatsverträgen von ARD und ZDF vergleichen, wobei der Auftrag der AFP nicht bei den Landesgrenzen endet. Ihrer aktuellen rechtlichen Grundlage nach darf AFP kein Kapital bilden und auch keine langfristigen Kredite buchen. Kritiker dieses Modells, zu dem die französische Regierung ebenso zählen wie Louette, bemängeln, der AFP würden in Zeiten der neuen Justierung des Medienmarktes nachhaltige Investitionen erschwert.

Louette legte im März 2009 einen ersten Entwurf für die anstehende Reform vor. Sie sieht die Umwandlung der AFP in eine Kapitalgesellschaft vor. Einlagen sollten jedoch lediglich öffentliche Banken und Beteiligungsfonds tätigen dürfen. Zudem sollte ein Stiftungsrat die Unabhängigkeit der Redaktionen beaufsichtigen und eventuell sogar über ein Vetorecht verfügen. Louette warb für dieses Modell. Einige Abgeordnete des französischen Parlaments befürchteten hingegen, eine Kapitalgrundlage aus staatsnahen Mitteln könnte dem Ansehen der Agentur schaden.

Dieses Konzept stieß auch bei vielen Mitarbeitern der Agentur auf heftigen Widerstand. Mehrfach legten hunderte von ihnen für kurze Zeit aus Protest die eigene Arbeit nieder. Gewerkschaften befürchteten zudem, dieses Modell könnte schleichend zu einer Privatisierung des Konzerns führen und so die Unabhängigkeit der Redaktionen gefährden.

Nachfolge noch nicht geklärt

Louette teilte nun mit, der diskutierte Reformprozesses sei “der Hintergrund des Rücktritts”. Er sagte außerdem: “Ich denke, dass es einen neuen Präsidenten geben sollte, der die Pläne zur Reform und Entwicklung der Agentur vollendet, sie durch das Parlament bringt und sie in den nächsten Jahren umsetzt.” Derzeit arbeitet auf Wunsch des französischen Kulturministeriums ein Gremium aus Journalisten und Medienmanagern an einer neuen Version, die für April angekündigt wurde.

Wer auf Louette folgt, ist unklar. Den Nachfolger bestimmt der Verwaltungsrat. Ihm gehören acht Vertreter der französischen Presse an, zwei Vertreter des Rundfunks sowie drei Gesandte der französischen Regierung und zwei Vertreter der AFP-Belegschaft.

Die AFP setzte im Jahr 2009 weltweit gut 270 Millionen Euro um und beschäftigt etwa 1.200 feste Mitarbeiter. Etwa 110 Millionen pro Jahr führt der französische Staat der AFP per Abonnement zu. Diese Zufuhr ist gesetzlich verankert, aber auch umstritten. Nur zwei Tage vor Louettes überraschender Mitteilung hatten die deutschen Nachrichtenagenturen ddp und DAPD bei der EU-Kommission eine Beschwerde eingereicht, weil AFP aus ihrer Sicht illegale Subventionen erhalte, die den Wettbewerb verzerrten (epd 14/10).

Mehr Gehalt für alle ddp-Mitarbeiter

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am 25. Februar 2010

Martin Vorderwülbecke hat zur Abwechslung positive Nachrichten für seine Leute im Gepäck: ddp-Redakteure erwarten Prämien und Gehaltserhöhungen. Außerdem will er in seiner Agentur-Allianz zehn neue Stellen besetzen, darunter Korrespondenten-Plätze. Mit dem neuen Gruppen-Chefredakteur Dreyer, der früher kommen darf als erwartet, will er “einen Nachrichtenanbieter von Weltniveau” formen. Der Druck auf die dpa erhöht sich - sie bekommt indes selbst Top-Leute wie Homburger und Zschunke eher als geplant.

Bei den Nachrichtenlieferanten dreht sich das Personal-Karussell weiter: Die Agentur-Allianz ddp/DAPD hat bekanntgegeben, dass ihr neuer Gruppen-Chefredakteur Cord Dreyer bereits zum April antreten wird. Nach MEEDIA-Informationen dürfen im Gegenzug die beiden DAPD-Vizes Froben Homburger und Peter Zschunke zum Juli zu dpa wechseln, wo Dreyer herkommt.

Ursprünglich sollte Dreyer erst im August die Fronten wechseln. Der 47-Jährige ist derzeit Chefredakteur und Geschäftsführer der Finanzagentur dpa-AFX. Er wird beide Funktionen bei der frisch geschmiedeten Agentur-Allianz ddp/DAPD besetzen - ergänzend zu den Chefredakteuren Joachim Widmann (ddp) und Peter M. Gehrig (DAPD). Von einem “Chefredakteurs-Triumvirat” war bereits bei der ersten Ankündigung dieser Personalie die Rede. Neben Dreyer bleiben zudem Franz Maurer und Agenturinhaber Martin Vorderwülbecke Geschäftsführer der Agenturen.

In einem internen Memo an die Belegschaft, das MEEDIA vorliegt, kündigte Vorderwülbecke an, Dreyer werde gemeinsam mit Widmann und Gehrig sowie den Mitarbeitern “eine zukunftsweisende und wettbewerbsfähige Gesamt-Strategie für DAPD und ddp” entwickeln. Vorderwülbecke notierte weiter, beide Redaktionen würden dafür “in einzelnen Bereichen verstärkt”. So sollen insgesamt zehn Stellen besetzt werden, unter anderem um “durch Kündigungen entstandene Lücken zu schließen”.

Nach MEEDIA-Informationen fallen vier dieser Stellen dem ddp zu, davon zwei am Desk, eine im Vermischten und eine im Spätdienst - drei davon waren allerdings bereits im Sommer ausgeschrieben, aber nie besetzt worden. Dem DAPD werden sechs Stellen zugeschrieben: Drei in der Inlandsredaktion sowie drei im Ausland, darunter Korrespondenten-Stellen in Brüssel und London. Außerdem soll der DAPD nach Jahren der Auszeit wieder Volontäre ausbilden.

Diese Nachrichten haben jedoch auch eine Schattenseite: Beim DAPD wurden seit Übernahme durch Vorderwülbecke und dessen Partner Peter Löw im Dezember etwa 40 Mitarbeitern gekündigt, darunter den meisten Fotografen und - mit einer Ausnahme - dem kompletten Schweizer Dienst. Gerade traf es zudem noch sechs weitere Mitarbeiter, darunter vier Vertriebsmitarbeiter des DAPD-Foto-Dienstes (sie sollen künfitg für ddp images arbeiten) sowie zwei Redaktions-Assistenten. Außerdem wanderten bis dato zwölf Mitarbeiter freiwillig ab, viele davon zu dpa. So auch die beiden Stellvertreter von Chefredakteur Gehrig, Homburger und Zschunke.

Wie MEEDIA erfuhr, dürfen sie als Teil des Dreyer-Deals statt zum Jahresende jetzt bereits zum 30. Juni zu dpa wechseln - und damit pünktlich zum Start der neuen dpa-Zentralredaktion in der Berliner Axel-Springer-Passage. Homburger wird dort das neue Top-Themen-Ressort leiten, das die Berichterstattung der wichtigsten aktuellen Themen über Redaktionsgrenzen und alle Mediengattungen hinweg koordinieren soll. Zschunke wird Chefkorrespondent des ebenfalls neuen Netzwelt-Ressorts.

In seinen jüngsten internen Schreiben kündigte Inhaber Vorderwülbecke für die Zukunft seiner Agentur-Allianz an, die Kombination aus einer “profilierten, Leser-orientierten Inlandsberichterstattung und einem im deutschen Agenturmarkt einzigartigen Auslandsangebot” werde der Gruppe “großartige neue Marktchancen” eröffnen. Die Kunden erwarte künftig “im Inland wie im Ausland eine breitere und vertiefte Berichterstattung in allen Ressorts”, darunter “mehr Hintergründe, mehr Analysen und deutlich mehr exklusive Geschichten”.

Wie bereits Anfang Februar bekannt wurde, soll der ddp dafür die Basis-Berichterstattung aus dem Inland liefern, wie bisher also. Die Reporter des DAPD (ehemals AP-Deutschland) teilt Vorderwülbecke derzeit in zwei neue Gesellschaften auf: DAPD-International für Basis-Berichte aus dem Ausland, die sich vor allem aus den lizensierten Meldungen der US-Agentur Associated Press speisen sollen, und DAPD-”Korrespondenz und Recherche”. Diese Redaktion soll Inlands- und Auslandsberichte von ddp und DAPD mit eigenen Recherchen, Hintergründen und Reportagen ergänzen. Die klassische Inlandsberichterstattung, die DAPD bisher zusätzlich zu dem ddp-Angebot liefert, fällt dann weg.

Jetzt sprach Vorderwülbecke angesichts der neuen Allianz von einem “gesteigerten Selbstbewusstsein” seiner Gruppe. Er bat seine Mitarbeiter “herzlich um Geduld”, bis das neue Konzept stehe. Das sollte in ersten Überlegungen bereits Ende Februar vorliegen. Der neue Chefredakteur Dreyer will jedoch selbst daran arbeiten. Damit dürfte es noch bis Ende April oder gar Anfang Mai dauern, bis sowohl die Mitarbeiter, aber auch die Kunden bei Zeitungen und Sendern wissen, was auf sie zukommt. Der Eigentümer ließ sein Personal wissen, sie hätten “gemeinsam die Chance, einen neuen schlagkräftigen und wettbewerbsfähigen Nachrichtenanbieter von Weltniveau zu formen”.

Die Mitarbeiter des ddp immerhin dürfen etwas Erleichterung spüren: Vorderwülbecke stellte ihnen per Memo höhere Gehälter in Aussicht. Vom Oktober 2010 an sollen alle ddp-Gehälter, die anders als bei den Ex-AP-Mitarbeitern deutlich unter Tarif liegen, um 1,5 Prozent steigen. Auch in den Folgejahren plant Vorderwülbecke den eigenen Worten zufolge “abhängig von der wirtschaftlichen Lage und Möglichkeiten”, das ddp-Gehaltsniveau “systematisch weiterzuentwickeln, ohne dazu aber feste Zusagen machen zu können”.

Der ddp meldete 2004 Insolvenz an. Seitdem verzichten die Mitarbeiter auf Tarif-Gehälter. Sie sollen nun auch “als Anerkennung für die Leistungen der letzten Jahre und aus Anlass der DAPD-Übernahme” eine einmalige Prämie erhalten: Für jedes volle Jahr Betriebszugehörigkeit seit “Neustart” im November 2004 gibt es laut Vorderwülbecke 100 Euro brutto. Auszahlung im Mai dieses Jahres.

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ddp beschwert sich bei EU-Kommission über AFP

Verbreitet vom

am 23. Februar 2010

Im Streit über angeblich illegale staatliche Subventionen für die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) hat der Deutsche Depeschendienst (ddp) bei der EU-Kommission eine Wettbewerbsbeschwerde eingelegt. Das Schreiben sei bereits am Montag abgeschickt worden, bestätigte ein ddp-Sprecher. In der Beschwerde, die dem epd vorliegt, wirft die von Privatleuten getragene Agentur dem französischen Staat vor, AFP systematisch mit großen Subventionen zu fördern, die “als Gebühr getarnt” seien. AFP betreibt auch einen deutschen Dienst, der unter anderem mit dem ddp und dessen Schwesteragentur Deutscher Auslands-Depeschendienst (DAPD) konkurriert.

Die Wettbewerbsbeschwerde hat die Großkanzlei Gleiss Lutz verfasst. Aus einer dem Papier beigefügten Tabelle geht hervor, dass staatliche Stellen in Frankreich Dienste der AFP im Wert von 113 Millionen Euro pro Jahr beziehen. Der ddp und die im Dezember übernommene Agentur AP Deutschland, die heute DAPD heißt, setzten zuletzt pro Jahr zusammen 29 Millionen Euro um, die deutsche AFP-Tochter indes nur 7,32 Millionen Euro. Der ddp geht davon aus, dass die deutsche AFP für die Übernahme der Auslandsmeldungen der Mutteragentur nur geringe Lizenzgebühren zahlt. Der ddp-Eigentümer Martin Vorderwülbecke sprach wiederholt von Dumpingpreisen.

Die Geschäftsführung der deutschen AFP hatte betont, es gebe “keinen Anlass daran zu zweifeln, dass die Nutzung der französischen, englischen oder spanischen Texte des AFP-Mutterhauses durch die deutsche AFP GmbH adäquat honoriert wird”. Die AFP GmbH leiste einen “angemessenen Beitrag”, wolle diesen aber nicht offenlegen. Sie werde nicht subventioniert, sondern führe seit Jahren sogar Gewinne nach Paris ab. Zusammen mit Lizenzgebühren für die Auslandsmeldungen, Zinszahlungen und Gebühren für technische Dienstleistungen seien dies im Jahr 2009 etwa 2,2 Millionen Euro gewesen.

Vergangene Woche hatte der Präsident der französischen AFP, Pierre Louette, an den ddp-Eigner Vorderwülbecke geschrieben. Er rief diesen auf, die Drohung einer EU-Beschwerde zurückzunehmen und “die unhaltbaren Anschuldigungen” nicht zu wiederholen. In dem Schreiben, das dem epd vorliegt, hieß es weiter: “Widrigenfalls werden wir uns in der Medienöffentlichkeit sehr offensiv zur Wehr setzen und auch prüfen, ob juristische Schritte angebracht sind.” Louette betonte, AFP erhalte weder “staatliche Zahlungen, die gegen das EU-Recht oder gegen nationales Recht verstoßen”, noch transferiere die AFP Mittel in die “gewinnbringenden Aktivitäten in Deutschland”.

Nach epd-Informationen ist Vorderwülbecke vor allem an einer Kooperation mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) interessiert, einer Tochtergesellschaft der AFP. Die neue Agentur-Allianz aus ddp und DAPD will den Marktführer Deutsche Presse-Agentur (dpa) nach eigenen Angaben “verzichtbar” machen. Um Volldienstleister zu werden, fehlt ihr jedoch die Sportberichterstattung.

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ProSiebenSat.1: Fotos statt Bewegtbild für TV-News

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am 22. Februar 2010

Der Chef der Sendergruppe ProSiebenSat.1 verwundert die TV-Branche mit immer neuen Ankündigungen. Jetzt sagte er auf einer Diskussion in Berlin, er wolle das Budget für die Nachrichten-Sendungen auf ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins um zwei Drittel der gegenwärtigen Kosten drücken. Die Kanäle sollen auf Fotos statt bewegtes Bild setzen. Um den Kommerz-Sendern zu helfen, will Ministerpräsident Wulff zudem die mit Gebühren aufgebaute Infrastruktur von ARD und ZDF für das Privatfernsehen öffnen.

Montagabend, die prächtige Bayerische Landesvertretung in Berlin-Mitte. Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1-Familie, stellt sich der Medienöffentlichkeit. Auf Einladung des N24-Redaktionsausschusses will er über seine Sparpläne beim Nachrichtenfernsehen diskutieren. Es moderiert das Gruppen-Gesicht Christiane Jörges, geborene Gerboth. Lange fallen allzu bekannte Beteuerungen und beliebte Forderungen. Doch dann das: Der Konzern-Chef bestätigt erst, für die Nachrichten seiner drei Vollprogramme künftig nur noch ein Drittel des aktuellen Budgets ausgeben zu wollen. Und dann antwortet er auch noch auf die Frage, wie er das denn schaffen wolle: “Man muss ja nicht immer unbedingt ein bewegtes Bild zeigen. Ein Foto reicht doch auch.”

Ein Raunen geht durch den Saal, in dem vor allem N24-Mitarbeiter sitzen. Sie betreiben derzeit massives Lobbying in der Politik, hatte Ebeling doch im vergangenen Dezember angekündigt, für seine N24 GmbH alle Optionen zu prüfen - außer einer Schließung. Der Sender, der neben dem Betrieb des eigenen Nachrichten-Kanals auch die drei Schwesterprogramme ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins mit News bestückt, soll entweder in einen Sender mit noch mehr Dokus umgewandelt oder verkauft werden. N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann plant, den Sender zusammen mit dem Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust per Management-Buy-Out zu übernehmen.

Ebeling sagte, es gebe weitere Interessenten, nannte aber keine weiteren beim Namen. Noch sei es zu früh, die Ernsthaftigkeit der Bewerbungen zu prüfen. Was mit der N24 GmbH passiert? “Wir haben unseren Denkprozess noch nicht abgeschlossen”, sagte Ebeling in Berlin. “Ein Fortbestand in der jetzigen Form ist aber in jedem Fall nicht angedacht.”

Der Senderchef, der die Rendite-Erwartung der Investoren Permira und KKR erfüllen muss, erneuerte jedoch die Beteuerung, Nachrichten gehörten “auch für mich persönlich zu einem guten Programm dazu”. Er kündigte zudem an, die Sendezeiten für die ProSieben-”Newstime”, die “Sat.1 Nachrichten” und die “Kabel Eins News” nicht antasten zu wollen. Das war zweifellos vor allem für die Sendung auf Sat.1 ein Zugeständnis, die parallel zur “Tagesschau” um 20 Uhr läuft und fast eine Viertelstunde dauert.

Niedersachsens Ministerpräsident Christan Wulff (CDU) quittierte Ebelings Überlegung, insbesondere bei niederrangigen Nachrichten auf billige Standbilder denn vergleichsweise teure Videos zu setzen, mit purem Spott. “Dann könnten wir Ihnen ja auch einfach eine Videotext-Seite geben”, sagte der Politiker.

Wulff forderte indes auch, Privatsendern, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten wollten, unter die Arme zu greifen. So schlug er vor, Privaten die Infrastruktur der gebührenfinanzierten Programme zu öffnen: “Wenn die Öffentlich-Rechtlichen wie jetzt nach dem Beben auf Haiti in Krisengebieten eine TV-Station errichten, müssen die Privaten das zu festen Bedingungen mit nutzen können.”

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ddp direct greift dpa-Tochter an

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am 22. Februar 2010

Die Privatinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw wollen den Agentur-Marktführer dpa jetzt auch auf einem Nebenschauplatz unter Druck setzen: In dieser Woche startet ihr PR-Ableger ddp direct mit einem Relaunch. Der von Wolfgang Zehrt gesteuerte Dienstleister setzt auf moderne Formen von Presse-Mitteilungen und will mit einer individuellen Beratung der dpa-Tochter News Aktuell das Leben schwer machen. Letztlich sollen die Aktivitäten das Kerngeschäft mit harten News stützen.

Das ist zweifellos eine mutige Zielmarke, die Wolfgang Zehrt da steckt. Sein PR-Dienstleister ddp direct peile bis Jahresende 2010 an, dass 10 bis 15 Prozent der zirka 65.000 Pressesprecher und PR-Mitarbeiter in Deutschland mit Diensten seiner Firma arbeiten. Zu MEEDIA sagte er: “Unser Ziel ist es also, dann zwischen 5.000 und 6.000 Kunden zu betreuen.” Mutig wäre das, weil dieser Kundenstamm einem Wachstum von Faktor fünf entsprechen würde. ddp direct zählt derzeit lediglich etwa 1.200 Kunden, wie Zehrt selbst angibt. Der Mitbewerber News Aktuell zählt im Jahr etwa 5.000 Kunden. Zehrt will also mindestens aufschließen - wohlgemerkt: binnen Jahresfrist.

Mit diesen Mitteln will Zehrt sein Ziel erreichen: Die ddp direct startet einen “MultimediaManager”. Das ist eine Plattform, die Not tut, hat sich der Dienstleister doch im vergangenen Jahr zunächst nur mit äußerst sporadischen technischen Mitteln neu aufgestellt - und hinkt dem Marktführer News Aktuell (na) der dpa-Gruppe deshalb noch weit hinterher. Der “MultimediaManager”, der dieses Manko ausbügeln soll, bietet ddp-direct-Kunden jedoch nun erstmals nicht nur eine eigene Plattform, um Pressemitteilungen, Fotos und Videos zu vertreiben, wie es News Aktuell mit “my news aktuell” vorgelegt hat. Kunden werden mit dem Tool auch die Möglichkeit haben, PR-Inhalte als sogenannte Social Media Releases (SMR) aufzubereiten.

Die Möglichkeit, mit wenigen Mausklicks SMR zu generieren, wäre zumindest in weiten Teilen eine Neuerung zum aktuellen Angebot von News Aktuell. Ein SMR ist quasi eine neue Generation von Presse-Mitteilungen. Neben einer Überschrift, einer Zusammenfassung in Stichworten und klassischem Fließtext wartet sie mit Meta-Daten wie Tags, einem Zeitstempel, Trackback-URLs und Geodaten auf. Das Material lässt sich damit einfacher in Soziale Netzwerke und Blogs, aber auch in die Layouts und Navigations-Strukturen anderer Websites einbinden. Mit den Meta-Daten können auch Grafiken und Audio-/Videodateien an das Textmaterial direkt angebunden werden. So heben sich bisherige Grenzen zwischen den Mediengattungen auf.

News Aktuell bietet zumindest heute bereits die Möglichkeit, die Online-Pressemappen der einzelnen Kunden per RSS zu abonnieren. Im Unternehmens-Blog ist in Sachen SMR bisher aber nur schwärmerisch von einem “neuen Trend am internationalen Web-Horizont” zu lesen, der sich vor allem “in den USA und UK” zeige. Auf Nachfrage heißt es bei News Aktuell immerhin, die SMR des Konkurrenten ddp direct seien “gar nicht so furchtbar neu”. Sprecher Jens Petersen sagt allerdings auch, Social Media Releases mit eigener URL etwa würden “auf Wunsch” produziert. ddp direct will hier einen Schritt weitergehen.

Ein Plus für Wolfgang Zehrt, dessen ddp direct mit dem “Themenportal” auch eine Plattform zur Recherche des gesamten PR-Materials bieten wird, vergleichbar mit dem na-”Presseportal”. Das wird von Journalisten und anderen Info-Hungrigen offensichtlich intensiv genutzt: Allein im Januar 2010 zählte die IVW auf presseportal.de 2,9 Mio Visits. ddp direct hat auch hier noch viel aufzuholen.

Zehrt will sich bei den traditionellen Dienstleistungen deutlich unter dem Gebührenmodell von News Aktuell bewegen. Zehrt sagte zu MEEDIA: “Wir wollen nachhaltig gut 30 Prozent günstiger sein als die anderen großen Wettbewerber.” Derzeit sind erste Meldungen bei ddp direct von 165 Euro an zu haben, bei News Aktuell kostet die erste Mitteilung hingegen 350 Euro. Beide PR-Dienstleister bieten die Distribution von Materialien, aber auch Schulungen und die Produktion von Audio- und Videomaterial sowie Infografiken. Ein eigener Mehrwert von News Aktuell bleibt zumindest vorerst ein üppig gefülltes Adressbuch voll mit Journalisten: der MEDIAtlas mit angeblich mehr als 100.000 Medienkontakten.

Neben deutlich günstigeren Preisen setzt Zehrt vor allem auf die individuelle Betreuung von Kunden, einem Feld, das News Aktuell ebenfalls noch deutlich ausbauen könnte: “News Aktuell hat in den vergangenen 15 Jahren einen hervorragenden Job darin gemacht, hierzulande einen professionellen Kommunikations-Standard zu etablieren. Heute müssen sich Dienstleister wie wir aber vielmehr in Beratung üben als noch vor wenigen Jahren - da ist die reine Distribution ihrer Botschaften oft zweitrangig.” Die Kunden wollten wissen, “wie wir sie auf das iPhone oder bald auf das iPad bringen und ob so etwas wie Facebook für sie ein wichtiger Kanal ist oder nicht”. Zehrt plant, 2010 sein Personal zu verdoppeln. Aktuell arbeiten gut 20 Leute für ddp direct.

Mit dem Relaunch setzt sich auf dem vermeintlichen Nebenschauplatz der PR-Dienste der Angriff der neuen Allianz ddp/DAPD auf dpa fort. Zehrt beteuert zwar, die Kunden von News Aktuell seien für ihn zwar nur eine von vielen Zielgruppen für seine Dienste und die “spannendste Zielgruppe für unser Wachstum die zirka 40.000 Menschen unserer Branche, die bisher noch gar nicht mit uns, Business Wire oder News Aktuell arbeiten”. Da beide im Kern jedoch auf dieselben Services setzen und Zehrt in einen Preiskampf einsteigt, ist die Frontlinie klar: ddp direct vs. News Aktuell. Finanziert wird die Attacke laut Zehrt übrigens “insbesondere aus der Schatulle der Eigentümer”, also Vorderwülbecke und Löw.

Beide PR-Dienste teilen zudem sowohl ein Ziel als auch einen nach wie vor umstrittenen Verbreitungskanal: Sowohl News Aktuell als auch ddp direct sollen erklärtermaßen mit ihren Einnahmen das Geschäft der Mutterhäuser stützen, journalistisch Recherchiertes zu vertreiben. Im jüngsten dpa-Geschäftsbericht (2008) heißt es, na-Beiträge seien “von besonderer Bedeutung”. Bei einer Steigerung von 1,7 Prozent verglichen zum Vorjahr führte na der Gruppe ein “sehr gutes” Ergebnis von 4,5 Millionen Euro zu. Beide Anbieter verteilen ihr Material zudem über die Tickerdienste ihrer Mütter direkt in die Stuben der Redaktionen.

Genau hier hat Zehrt noch ein Problem: die Verbreitung über den Draht des DAPD, der seit Dezember 2009 zur ddp-Gruppe gehört und davor Teil der Associated Press war. Zehrt kann seinen Klienten bisher nicht anbieten, ihre Mitteilungen via DAPD zu verbreiten. Wie es in der Redaktion in Frankfurt heißt, stellt sich DAPD-Chef Peter M. Gehrig mit Vehemenz dagegen. Ein erster Versuch, den AP-Dienst für gekennzeichnete PR-Meldungen zu öffnen und mit den Einnahmen aus diesem Geschäft den klassischen Agentur-Journalismus zu subventionieren, habe vor ein paar Jahren einfach zu viele Proteste auf Kundenseite ausgelöst. Ein neuerlicher Ansatz dürfte aber freilich nur noch eine Frage der Zeit sein, schließlich muss Zehrt vor allem für eines sorgen, um große Kunden zu gewinnen: Reichweite - im Netz und in den Tickern.

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Streit zwischen AFP und ddp eskaliert

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am 19. Februar 2010

Martin Vorderwülbecke weht immer heftigerer Gegenwind ins Gesicht. Jetzt versucht AFP-Präsident Pierre Louette den Unternehmer in die Schranken zu weisen: MEEDIA liegt ein Brief vor, indem Paris mit einer medialen Offensive und juristischen Schritten droht – und den ddp-Chef deutlich zurückweist. Vorderwülbecke hingegen will auf Kurs bleiben: Er sagt, er denke nicht daran, klein bei zu geben und wolle stattdessen am Montag die angekündigte Wettbewerbs-Beschwerde bei der EU-Kommission abgeben.

In dem Papier, das die AFP-Zentrale an der Pariser Börse am Donnerstag verließ, notierte Président-Directeur Géneral Louette: “Ich rate Ihnen dringend, zu den bislang gepflegten Umgangsformen zwischen unseren beiden Häusern zurückzufinden.” Er reagierte damit mit fast provokativer Verzögerung auf ein Schreiben Vorderwülbeckes vom 5. Februar, indem der ddp-Chef der international operierenden Agentur ein Gespräch anbot. Dem vorausgegangen war die Ankündigung der DAPD ddp Media Holding AG, gegen die “enorme Subventionierung der AFP” vorzugehen, wie Vorderwülbecke unter anderem am 29. Januar in einem Memo an seine Mitarbeiter schrieb.

Louette aber rief seinen Konkurrenten auf, diese Drohung zurückzunehmen und “die unhaltbaren Anschuldigungen” nicht zu wiederholen. Weiter hieß es in äußerst bestimmendem Tonfall: “Widrigenfalls werden wir uns in der Medienöffentlichkeit sehr offensiv zur Wehr setzen und auch prüfen, ob juristische Schritte angebracht sind.” Der AFP-Chef hoffte den eigenen Zeilen zufolge zudem, dass die aktuelle Verstimmung eine “kurzfristige Episode” bleibe. Dann sei AFP auch bereit, mit dem ddp über “mögliche neue Kooperationsfelder” zu sprechen. Agenturen stünden “in der ganzen Welt in einem harten, aber meist fairen Wettbewerb”, der vielfach “auch mannigfaltige Formen der partiellen Kooperation” erlaube.

Das hatte auch zwischen AFP und ddp einst geklappt: Noch immer bezieht AFP-International Bilder vom Fotodienst des ddp, um sie im Ausland zu verbreiten. Dieser Vertrag läuft MEEDIA-Informationen zufolge aber Ende Mai aus und wird dem Vernehmen nach nicht verlängert. Will die AFP im Rest der Welt Fotos aus Deutschland vertreiben, muss sie also bis dahin mit einer anderen Agentur kooperieren, wobei dafür eigentlich nur dpa in Frage käme, oder hierzulande ein eigenes Netz an Fotografen aufbauen. Der Stand der Dinge ist bei AFP derzeit allerdings nicht zu erfahren.

Sie steht in Deutschland in deutlicher Konkurrenz zur neuen Allianz aus ddp und DAPD. Zum einen, weil der DAPD die Auslandsmeldungen der US-Agentur Associated Press verkauft, wie AFP-Deutschland die vergleichbar umfangreichen Meldungen aus dem Rest der Welt von den Korrespondenten des eigenen Mutterhauses vertreibt. Zum anderen aber auch, weil zu AFP-Deutschland der Sport-Informations-Dienst (SID) gehört. Er wäre für Vorderwülbecke eine spannende Ergänzung, könnte er doch nur mit einem eigenen Sportangebot den Marktführer dpa wirklich “verzichtbar” machen, wie er sich das stets wünscht. AFP will seinen SID indes nicht hergeben.

Louette wehrte sich auch gegen den Vorwurf, der deutsche AFP-Dienst werde vom Mutterhaus bezuschusst. Er schrieb: “Weder erhält die Agence France-Presse in Frankreich staatliche Zahlungen, die gegen das EU-Recht oder gegen nationales Recht verstoßen, noch transferieren wir Mittel in unsere gewinnbringenden Aktivitäten in Deutschland.” Die hiesige AFP GmbH teilte mit, 2009 nach vorläufiger Berechnung einen Gewinn von 407.333 Euro erzielt zu haben. Mit den Lizenzgebühren für die Auslands-Nachrichten, Zinszahlungen sowie Gebühren für technische Services seien zuletzt gar 2,2 Millionen Euro an die Mutter überwiesen worden.

Den “hochachtungsvollen” Grüßen Louettes kann Vorderwülbecke offenbar wenig abgewinnen. Er sagte MEEDIA: “Ich habe nicht vor, hier klein bei zu geben. Wir bleiben auf Kurs!” Das von der renommierten Kanzlei Gleiss Lutz verfasste 20-seitige Beschwerdeschreiben an die EU-Kommission solle daher auch an diesem Montag in die Post gen Brüssel gehen.

» zum Originaltext auf meedia.de

Der Aufschrei kommt später

Wie viel dürfen ARD und ZDF ins Internet stellen? Diese Frage spaltet die Branche.

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am 19. Februar 2010

Jetzt eben auch Silvana Koch-Mehrin. In der hitzigen Debatte über den Digitalisierungsdrang des gebührenfinanzierten Rundfunks hat sich gestern die Europa-Abgeordnete der FDP zu Wort gemeldet. Die Politikerin rief die EU-Kommission an, um von höchster Stelle prüfen zu lassen, ob die “Tagesschau” mit einer eigenen Anwendung (App) auf internetfähigen Mobiltelefonen wie dem iPhone unterwegs sein darf, wie sie es von diesem Frühjahr an nach eigenem Bekunden tun will.

Dabei könnte man meinen, es gehe nur um ein Mini-Programm und nicht um eine Revolution. Dieser Streit ist aber weitaus mehr als eine Petitesse. Denn während die ARD sagt, sie wolle bloß ihrem Auftrag gerecht werden, junge und mobile Gebührenzahler mit ihren Angeboten zu erreichen, geht es etwa Verlagen und Privatsendern um mehr: um ihre Existenz. Vor allem weil die Auflagen vieler Zeitungen einbrechen und auch Internet-Ab-leger großer Marken kein Geld bringen, suchen sie nach neuen Einnahmequellen. Viele suchen ihr Heil in bezahlten Inhalten und setzten auf moderne Handys als den neuen Verbreitungsweg. So sind etwa Bild, Welt und Süddeutsche Zeitung bereits gegen ein paar Euro pro Monat auf dem iPhone zu haben.

Die Debatte um die “Tagesschau”-App steht indes nur exemplarisch für ein viel größeres Dilemma: Wie viel dürfen ARD und ZDF im Netz, damit sie sich einerseits der neuen Medienrealität stellen und frisches Publikum erreichen können - und was müssen ihnen Politik und Kontrollgremien verwehren, damit andererseits keine allzu mächtige gebührenfinanzierte Konkurrenz für Verlage und das Privat-TV heranwächst?

Die Medienpolitik hat den öffentlich-rechtlichen Programmen im Digitalen eigentlich deutliche Schranken gesetzt. Die 12. Novelle des Rundfunk-Staatsvertrages sieht vor, dass ARD und ZDF im Netz kaum Unterhaltung bieten dürfen, keine presseähnlichen Angebote und auch keine üppigen Programmarchive. Einige Sender haben bereits reagiert: Das ZDF gibt an, etwa 80 Prozent aller einzelnen Seiten gelöscht zu haben, darunter viele Kochrezepte und Ratgeber für Familie und Beruf.

Die wirklich spannende Frage ist, welche Ausnahmen die Rundfunkräte von ARD und ZDF den gebührenfinanzierten Sendern gewähren. Die haben nach dem neuen Gesetz die Möglichkeit, Angebote gezielt aus der rechtlichen Sperrzone herauszubringen. Dafür haben die Länder, die in Deutschland für das Medienrecht zuständig sind, den Drei-Stufen-Test erfunden: Ein aufwendiges und teils unübersichtliches Verfahren, in dem die Gremien prüfen müssen, ob die betreffenden Inhalte einen Mehrwert bieten und ob ihn die private Konkurrenz auch ertragen kann.

Dieser Prüfung müssen sich auch alle schon existierenden Angebote im Netz und auf den Digitalkanälen unterziehen. Der Rundfunkrat des NDR hat gerade beispielsweise das Portal tagesschau.de einem ersten Prüf-Zyklus dieser sogenannten Bestandsprüfung unterzogen. Die Gremien der acht übrigen ARD-Anstalten müssen dem noch zustimmen, vorläufig steht aber fest: Das Portal der “Tagesschau” muss etliche Inhalte löschen.

Anders als in diversen Medien vermeldet, stellte der NDR-Rundfunkrat dem Portal allerdings keinen “Freifahrtsschein” aus. Im Gegenteil: Sendungen und Beiträge, die älter als ein Jahr sind, muss die Redaktion entfernen. Lediglich die 20-Uhr-Ausgabe der “Tagesschau” und alle Ausgaben der “Tagesthemen” sollen nicht dem digitalen Verfall ausgesetzt werden. Sie sind dem Konzept nach “zeit- und kulturhistorische Archive”, die der Gesetzgeber von seinen Beschränkungen ausnimmt. Auch einzelne Dossiers, etwa zur laufenden Legislaturperiode, sollen so lange im Netz stehen dürfen, wie sie für aktuelle Debatten relevant sind.

Hamburgs Erster Bürgermeister, Ole von Beust (CDU), dessen Regierung die Rechtsaufsicht für NDR-Verfahren und im Prüfkreislauf für tagesschau.de das letzte Wort innehat, sagte bereits, dass sich das vorliegende Konzept mit den gesetzlichen Vorgaben deckt. Eine Meinung, die nicht alle in der Branche zufriedenstellt: Der ebenfalls in Hamburg ansässige Verlag Gruner und Jahr teilte mit, sich eine Klage vorzubehalten.

Die “Tagesschau” online erfährt also eher eine Beschränkung denn einen Ausbau. Auch eine iPhone-App wäre im Prinzip nichts Neues. Ein vorläufiger Entwurf, den diese Zeitung eingesehen hat, sieht vor, ausschließlich die Inhalte für das Mobiltelefon aufzubereiten, die ohnehin schon über Internet-Browser auf tagesschau.de abrufbar sind - darunter die aktuellen Sendungen von “Tagesschau”, “Tagesthemen” und “Nachtmagazin”, ein Beitragsarchiv und die gut 20 Textnachrichten, die das Portal täglich vermeldet.

Eine vage angedachte Erweiterung wäre indes schon eher ein berechtigter Grund für Protest: In der Zentralredaktion ARD-aktuell überlegt man, in einer nächsten Entwicklungsstufe auch regionale Nachrichten in die “Tagesschau”-App zu integrieren. Auch wenn dafür völlig automatisiert die News aus den Regionen auf den Portalen der ARD-Anstalten abgegriffen würden, wäre das ein Angriff auf die Kernkompetenz der Verlage. Der eigentliche Aufschrei könnte der Branche erst noch bevorstehen.

» zum Originalbeitrag auf berliner-zeitung.de